Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2013, 19:00 Uhr

0740

Otto Muehl*

(Grodnau/Bgld. 1925 - 2013 Moncarapacho/Portugal)

„Vincent“
1989
Öl auf Leinwand
80 × 99,5 cm
Bezeichnet und datiert rechts oben: Vincent, 6.8.89

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

€ 15.000 - 30.000

Die letzten beiden Jahre vor der revolutionären Auflösung der Kommune (1991) sind künstlerisch sehr produktive Zeiten. El Cabrito auf Gomera wird ein neues Domizil der Gruppe. Die Position von Mühl in der Kommune ist immer mehr umstritten. Er kehrt im Sommer 1989 nach Wien zurück. In diesem Jahr entsteht auch eine Serie von Unikatsiebdrucken mit Variationen zu Selbstporträts von Vincent van Gogh. Stilistisch lässt sich die Arbeit diesen lavierten Siebdrucken zuordnen.
Die Kontur dominiert das Bild. Mit wenigen präzisen Linien setzt Mühl die Gesamtkomposition in den Bildraum. In lustvoller Pracht präsentiert sich hier der weibliche Körper. Der linke Arm ist nach hinten abgewinkelt, der rechte Arm ist forsch in die Hüfte gestützt. Diese Haltung betont den prallen Oberkörper. Das Gesicht ist nur durch wenige Striche angedeutet. Mit breitem Pinsel und dünnflüssigem, trockenen Farbauftrag akzentuiert Mühl blockartig die einzelnen Flächen. Rot für den Körper, den Boden und die Wand. Grün für die Liegefläche. Das Weiß der Leinwand ist in den Bildaufbau mit einbezogen. In dieser schnellen, spontanen und nur auf das Wesentliche reduzierten Arbeit zeigt sich Mühls herausragendes künstlerisches Talent. Der Bezug zu van Gogh liegt hier weder in der Malweise noch in der Farbigkeit. Das Motiv erinnert seitenverkehrt an dessen „Frauenakt mit Strümpfen“ von 1887 ( Kröller-Müller-Museum, Otterlo, Niederlande). Ins Auge sticht die Bezeichnung Vincent rechts oben. Mühl signiert mit Vincent? Letztlich doch affirmativ nach all seinen ironisch übersteigerten Van Gogh - Paraphrasen? (Christa Armann)