Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

18. Juni 2013

0872

Ferdinand Brunner*

(Wien 1870 - 1945 Wien)

„Schärding am Inn“
1910
Öl auf Leinwand
55 × 40 cm

€ 15.000 - 30.000

Ferdinand Brunner *
(Wien 1870 - 1945 Wien)
Schärding am Inn, 1910
Öl auf Leinwand; 55 x 40 cm
Signiert und datiert links unten: Ferdinand Brunner 1910

Am 1. Mai 1870 in Wien geboren, trat Ferdinand Brunner 1891 in die Klasse für Landschaftsmalerei an der Wiener Akademie unter der Leitung von Eduard Peithner von Lichtenfels ein. 1901 wurde er Mitglied im Wiener Künstlerhaus. 1904 und 1906 präsentierte er seine Landschaftsbilder in Düsseldorf, später stellte er im Münchner Glaspalast aus. Sein künstlerisches Schaffen wurde mit zahlreichen Auszeichnungen honoriert: 1906 wurde ihm der Kaiserpreis verliehen, 1910 die Große Goldene Staatsmedaille, 1924 und 1927 erhielt er den Wiener Volkspreis, 1935 den Gustav-Figdor-Preis. Bereits zu Lebzeiten vermochte Brunner das Interesse von treuen Sammlergruppen zu wecken.

Anders als viele Malerkollegen hat sich Brunner nie dem flüchtigen Augenblick verschrieben. Stattdessen war er stets bemüht, die Atmosphäre, die Poesie des Ortes als bleibenden Eindruck auf die Leinwand zu bannen. Beeindruckend verleiht Brunner auch dem vorliegenden Gemälde "Schärding am Inn" einen lyrischen Stimmungscharakter. Der Blick des Betrachters wird durch eine Häuserzeile am Ufer des Inns in die Bildtiefe bis zum fernen Horizont geleitet. Die lichtdurchflutete Darstellung kennzeichnet eine ausgesprochene Feinheit der Details, ein subtil nuanciertes Farbenspiel, eine sanfte Lichtregie und eine harmonische Ausgewogenheit der Komposition.

Brunner fand in friedlichen, undramatischen Naturszenerien Ober- und Niederösterreichs, Böhmens und Ungarns sein bevorzugtes Motiv- und Themenrepertoire. Wählte er zunächst noch die Landschaftsmalerei des späten 19. Jahrhunderts in der Nachfolge von Emil Jakob Schindler als künstlerischen Ausgangs- und Orientierungspunkt, so zeigen Arbeiten um 1900 deutliche Affinitäten zum Jugendstil - vor allem die Nähe zu Gustav Klimt und Carl Moll ist oft unverkennbar. Schon bald jedoch gelangte Brunner zu einer sehr eigenständigen künstlerischen Ausdrucksweise. In den Bildern der reifen und späten Phase konzentrierte er sich auf das spannungsvolle Verhältnis von Fläche und Raum, tendierte zu monochromen Farbflächen und verzichtete auf schmückende Staffage. (CMG)