Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

23. April 2013, 18:00 Uhr

0076

Josef Pillhofer*

(Wien 1921 - 2010 Wien)

„Liegende“
1955
Bronze
20 × 68 × 30 cm

€ 10.000

Josef Pillhofer *
(Wien 1921 - 2010 Wien)

Liegende, 1955
Bronze; 20 x 68 x 30 cm
Monogrammiert (rechte Fußsohle): P
Auflage: 8
Künstlerexemplar (vor der eigentlichen Auflage entstanden)

Provenienz: Sammlung Fogarassy, Graz; österreichischer Privatbesitz

Literatur: Josef Pillhofer, Das Gestalthafte in der Natur. Plastiken und Zeichnungen, Katalog "Mälzerei" und Garten des Freiberger-Hauses, Mürzzuschlag 30. 10. - 5. 12. 1981, Nr. 23; Pillhofer, das Ideal der Proportion, Ausst.-Katalog Künstlerhaus, 1. April - 29. Mai 2011, Abb. S. 134

Josef Pillhofer begann seinen bildhauerischen Werdegang als Schüler Fritz Wotrubas an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Dank Wotrubas Meisterschule in der Boecklinstraße am Rande des Praters avancierte Wien damals zu einem Zentrum der europäischen Plastik nach 1945. Als Pillhofer bei Wotruba studierte, vollzog sich in dessen Schaffen eine grundlegende Umorientierung: Wotruba schuf zu dieser Zeit aus Würfeln geformte Gebilde, kubisch akzentuierte Figuren, die freilich nur peripher mit dem "klassischen" Kubismus übereinstimmten.

Pillhofer sollte sein Wissen um das, was nach dem Krieg in Wien als "kubistisch" galt, in Paris, wohin es ihn 1950 als Stipendiat verschlug, entscheidend vertiefen. Vor den Originalen von Pablo Picasso und George Braque spürte er hier dem Bilddenken des ursprünglichen Kubismus nach, eingehend setzte er sich mit dessen Methoden und Errungenschaften auseinander. Daneben hatte er aber auch regen Kontakt zu den Pariser Künstlergrößen jener Jahre, wie Constantin Brancusi, Henry Laurens oder Alberto Giacometti.

Die Frage, wie Formen, die bestimmten Gesetzen und Regeln folgen, aufeinander reagieren und wie sie sich räumlich entwickeln, kann als ein Leitthema seines Schaffens verstanden werden. Nichtsdestotrotz vergaß der Künstler nie zu betonen, dass seine Arbeiten nicht a priori etwas Abstraktes sind. Seine aus kubischen Formzusammenhängen konstruierten Figuren entstanden vielmehr im Spannungsfeld zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Weitgehend aus dem Figürlichen emanzipiert, bleiben sie doch stets orientiert an der Gestalt und Haltung der menschlichen Figur. Der Mensch ist das Zentrum, um das sich das ganze Schaffen des Künstlers dreht. Der Konflikt gegenständlich-abstrakt scheint in vielen skulpturalen und plastischen Arbeiten Pillhofers harmonisch überwunden.

Zeit seines Lebens waren dem gebürtigen Mürzzuschlager zahlreiche Ausstellungen in wichtigen Galerien und Museen Österreichs gewidmet, darunter die Galerie Würthle, die Österreichische Galerie Belvedere, das Rupertinum und das Joanneum. Pillhofer stellte aber auch in Paris, Amsterdam, Pittsburgh, Antwerpen und London aus. Auf der Biennale in Venedig war er erstmals 1954, auf Empfehlung Josef Hoffmanns, vertreten, 1956 nahm er ein zweites Mal teil. 1968 verlieh man ihm den österreichischen Staatspreis. Zwei Jahre später erhielt er die Professur für Bildhauerei an der Grazer Kunstgewerbeschule. Josef Pillhofer starb am 30. Juli 2010 89-jährig in Wien. (CMG)