Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

23. April 2013, 18:00 Uhr

0069

Ernst Nepo*

(Dauba 1895 - 1971 Innsbruck)

„Nächtliche Landschaft“
1920
Öl auf Karton
55 × 63 cm

€ 30.000 - 60.000

Ernst Nepo *
(Dauba 1895-1971 Innsbruck)

Nächtliche Landschaft, 1920
Öl auf Karton; 55 x 63 cm
Signiert und datiert links unten: Nepo 20
Rückseitig betitelt: Nächtl. Landschaft
originaler Künstlerrahmen

Provenienz: Privatbesitz

Die 1920 entstandene "Nächtliche Landschaft" mit der mystisch beleuchteten Christuskirche des Innsbrucker Stadtteils Saggen im Hintergrund ist ein wunderbares Gemälde aus Nepos früher Schaffenszeit, als der Künstler eine Tendenz zu visionär-träumerischen Bildinterpretationen zeigte.
Nepo brach um 1920 radikal mit den Stilmitteln der Jahrhundertwende und entwickelte eine sehr persönliche Variante des Espressionismus, die sich vor allem durch die Wahl intensiver, expressiver Farben artikulierte. Blaue, violette und grüne Farbtöne verleihen der "Nächtlichen Landschaft" einen melancholischen Grundtenor. Das Dunkel der Nacht wird durch das funkelnde Aufblitzen kleiner Sternpunkte durchbrochen, vor allem aber durch das leuchtende Gelb, das eine künstliche Lichtquelle auf die Kirche wirft. Es bildet einen wirkungsvollen Komplementärkontrast zum violett gefärbten Himmel und verleiht der nächtlichen Landschaft ein mystisch-sakrales Leuchten. Der bizarr geformte Baum im Vordergrund, dessen geschwungene Äste vom oberen Bildrand fragmentiert werden, wirkt anthropmorph belebt. Seine geschwungene Linienführung korrespondiert mit der wellenförmigen, weich wirkenden Bodenformation. All diese irreal anmutenden Formelemente verstärken die geheimnisvolle Suggestivkraft des Bildes.

Enrst Nepo wurde am 17. Oktober 1895 als Ernst Nepomucky im nördlichen Böhmen geboren. An der Kunstgewerbeschule in Teplitz-Schönau erhielt Nepo seine erste Ausbildung, dazu gehörte auch die Praxis in Schlosserei- und Tischlerwerkstätten. Nicht ohne Grund sollte er viele seiner Rahmen später selbst herstellen und gestalten. Im Alter von 18 Jahren wurde er an der Wiener Kunstgewerbeschule aufgenommen, wo er mit der Sezessionsmalerei in Berührung kam. Nach dem Krieg ließ er sich in Innsbruck nieder und änderte seinen Namen auf Nepo. 1925 war er einer der Gründungsmitglieder der Tiroler Künstlervereinigung "Waage", der neben anderen auch Wilhelm Nikolaus Prachensky und Rudolf Wacker angehörten. 1926 fand Nepo auch in Wien im Rahmen einer Ausstellung in der Wiener Sezession positive Resonanz. Er wurde Mitglied der Secession, erhielt zahlreiche Aufträge und beteiligte sich an vielen Ausstellungen. In den folgenden Jahren erlebte er den Höhepunkt seiner Karriere. Er schuf beeindruckende Bilder im Stil der Neuen Sachlichkeit und avancierte zu einem der bedeutendsten Vertreter der Tiroler Malerei der Zwischenkriegszeit. (CMG)