Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

13. November 2012

0917

Otto Rudolf Schatz*

(Wien 1900 - 1961 Wien)

„Zirkus Apollo am Karlsplatz“
1956
Öl auf Leinwand
75 × 97 cm

€ 20.000

Otto Rudolf Schatz*
(Wien 1900 - 1961 Wien)
Zirkus Apollo am Karlsplatz, 1956
Öl auf Leinwand; 75 x 97 cm
Monogrammiert rechts unten: ORS

Provenienz: in den späten 1960er Jahren aus dem Nachlass O. R. Schatz erworben; seither Wiener Privatbesitz

Als der Zirkus Apollo 1956 am Karlsplatz gastierte, ließ sich Otto Rudolf Schatz von diesem spektakulären Ereignis zu einem Gemälde inspirieren, das nicht nur die malerische Raffinesse seines Spätwerks beeindruckend vor Augen führt, sondern vielmehr auch ein Zeitdokument von kulturhistorischer Relevanz darstellt.
Schatz lässt das große Zirkuszelt in kräftigem Gelb vor einem in dunklen Blau- und Grautönen gestalteten Himmel erstrahlen, die Karlskirche erhebt sich als weiße Silhouette im Hintergrund, während vor dem Zirkusterrain Automobile und Straßenbahnen die Mobilität und den Fortschritt des modernen Lebens im Wien der 1950er Jahre einfangen. Ohne individuelle Charakterisierung werden Menschen in ihrer Geschäftigkeit und rastlosen Bewegung gezeigt: nur schemenhaft umrissen, bevölkern sie die Straße und leiten als Rückenfiguren den Blick des Betrachters zur Hauptattraktion, dem aufgeschlagenen Zirkuszelt, über dem in großen blauen Buchstaben der Name „Apollo“ aufleuchtet. Mit freiem, lockeren Pinselstrich und subtil nuanciertem Farbauftrag schildert Schatz die städtische Szenerie in weichen, ineinanderfließenden Formen und taucht sie in ein vibrierendes Hell-Dunkel. Deutliche kompositorische Akzente setzt er durch die fast über die ganze Bildlänge verlaufende Straßenlaterne, deren strenge Vertikale in den Fahnenmasten und der Architektur am rechten Bildrand Parallelen findet.
Otto Rudolf Schatz begann seine künstlerische Laufbahn an der Kunstgewerbeschule in Wien. In Arthur Roessler und Otto Nirenstein fand er bald wichtige Förderer seiner Kunst. Während die frühen Werke noch ganz dem expressionistischen Kanon verpflichtet sind und eine Schieleske Prägung widerspiegeln, vollzog sich Mitte der 1920er Jahre ein deutlicher stilistischer Wandel: Schatz verabschiedete sich von der expressionistischen Farb- und Formdynamik und wandte sich der neuen Strömung der Sachlichkeit zu. Über ein Jahrzehnt bestimmten streng geordnete Motive, harte Konturen, klare, kräftige Farbtöne und ein irreales, silbriges Licht seine Bildkompositionen, bevor seine erste Reise in die USA einen weiteren radikalen Stilbruch bewirkte, Schatz tendierte wieder zu weicheren Formen und changierenden, fließenden Farben. 1944 wurde Schatz, dessen Frau Jüdin war, deportiert. Mangels ausreichend Malmaterialien experimentierte er während des Krieges mit der Technik der Kaseinmalerei. Auf kleinen Holztäfelchen gestaltete er Landschaften, die in ihrer graphischen Qualität und subtilen Farbkomposition von besonderem Reiz sind. Bekannt ist Schatz nicht zuletzt auch durch seine zahlreichen erotischen Sujets, Akte voller Sinnlichkeit, aber auch Szenerien, mit denen er die Grenze zur Pornografie überschritten hat. Schatz verstarb am 26. April 1961.(CMG)