Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0249

Victor Vasarély*

(Pecs 1906 - 1997 Paris)

„Delatt“
1976/77
Öl und Bleistift auf Leinwand
98,5 × 98,5 cm

Schätzpreis: € 50.000 - 100.000
Auktion ist beendet.

Victor Vasarély*
(Pecs 1908 - 1997 Paris)
Delatt, 1976/77
Öl und Bleistift auf Leinwand; 98,5 x 98,5 cm
Signiert rechts unten: vasarely.
Rückseitig beschriftet und signiert: vasarely- / 2988 / "Delatt"/ 100 x 100 / 1976/77

Provenienz: Sammlung Reinheimer, Sindelfingen (1984 direkt vom Künstler erworben); Galerie der Stadt Sindelfingen (Leihgabe aus der Sammlung Reinheimer)

Ausgestellt: Vasarely - Originale 1933-1983, Städtische Galerie Filderhalle, Leinfelden-Echterdingen, 23.3.-23.4.1984

NORMALBESTEUERUNG

"Zahlreiche Betrachter verschiedenartigster Herkunft zeigen die gleiche Überraschung vor einigen meiner Werke: Sie sind überrascht, keine künstliche Beleuchtung vorzufinden, welche unauffällig vor oder verdeckt hinter den Bildern angebracht ist; sie sind erstaunt, auf meinen gemalten Flächen keine fluoreszierenden oder phosphoreszierenden Farben vorzufinden. Sie machen sich nicht klar, dass meine Kompositionen eine Leuchtkraft ausstrahlen oder dass es Schattenzonen gibt, welche sie stellenweise abdunkeln. Was ist erstaunlich daran, daß die leuchtenden Stimmungen auf den Bildern der Impressionisten, dass die 'Sonnen' auf denen von Van Gogh in der Lage waren, Licht auszustrahlen? Das Bildthema verstärkte noch unzweideutig diese Illusion. In meinen Bildkompositionen gibt es keine identifizierbaren Beziehungen, und dennoch entströmt ihnen Licht! Diese überraschenden Effekte haben ihre Ursache in der Strenge der Permutationen innerhalb meiner Farbskalen. Diese vielfarbigen 'Hell-Dunkel-(Effekte)', aus der Deckfarbe abgeleitet, erhalten eine besondere Bedeutung in einem Augenblick, wo die Mehrzahl der jungen Plastiker die ebene Fläche und die Farbgebung hinter sich lassen zugunsten des lichtkinetischen Objekts. Gewiss, dem elektrischen Licht kommt eine besondere Aufgabe im Nachtleben der Städte zu. Diese Tendenz hat deshalb auch eine Zukunft, aber ihre Vertreter sollten niemals vergessen, dass, selbst wenn ihre Revolte gegen die Staffeleimalerei voll gerechtfertigt ist, das Verlassen der ebenen Fläche - jenem Ort des grundlegenden plastischen Suchens - sie in das Lager der Bastler verweist. Dann und vor allem darf man das nicht vergessen: Die Verwandlung der ebenen Wandflächen schafft die Massen und die nicht endenwollenden Räume der geschäftigen Stadt, die so kaputt macht. Aber hier soll das Wunder der Vielfarbigkeit aufleuchten und im hellen Licht des Tages zum Wohltäter werden. Die Zweidimensionalität ist ein unendlicher Zauberraum in einem wirklichen und winzigen begrenzten Bereich. Die Supra-Dimensionen: Form-Farbe, Plastizität, Licht, Bewegungs-Zeit, entstehen im Raum der Zweidimensionalität, um sich fortschreitend über Blätter, Mauern und Bildwände auszubreiten. Geben wir doch etwas zu sehen, damit der Mensch wahrhaft sehen kann."
(Victor Vasarely, 1969)