Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0260

Franz West*

(Wien 1947 - 2012 Wien)

„o. T.“
1976
Collage auf Transparentpapier
61,5 × 89 cm

€ 25.000 - 50.000

Franz West*
(Wien 1947 geb.)
o. T., 1976
Collage auf Transparentpapier
61,5 x 89 cm

Franz West gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer der Gegenwartskunst. Weit über die Grenzen Europas hinaus sind wichtige Museen wie auch private Sammler bestrebt, repräsentative Arbeiten Wests zu besitzen und die Rolle des Vorbilds, die West mit seinem Schaffen für jüngere Künstler in der ganzen Welt spielt, ist nicht zu unterschätzen.
Franz West hat sich in den siebziger Jahren ein experimentelles Formenvokabular erarbeitet, das - unbeeinflusst von anderen stilistischen Tendenzen - ganz eigenen Parametern gehorcht. Debütiert hat West in kleinen Ausstellungen in Wiener Galerien. Gefördert von Oswald Oberhuber, dem damaligen Leiter der Galerie nächst St. Stephan, hatte er dort 1980 seine erste Personale und präsentierte unter anderem seine ersten „Passstücke“. Bekanntlich handelt es sich dabei um Skulpturen aus Gips, Pappmaché und metallenen Gerüsten, die sich erst durch die Beteiligung des Publikums realisieren, sollen sie doch getragen und benutzt werden und beim Rezipienten neue psychische Zustände hervorrufen. „Wenn man Neurosen optisch wahrnehmen könnte, würden sie wie Passstücke aussehen“, meint West, der sich neben der philosophischen Lektüre von Wittgenstein, Lacan oder Hegel auch intensiv mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds auseinandersetzte. Als Passstücke des menschlichen Körpers beim Ruhen konzipiert West auch seine berühmten Sitz- und Liegemöbel, bei denen die Grenze zwischen Kunstobjekt und Gebrauchsgegenstand aufgelöst erscheint.
Wenngleich West in der Wiener Kunstszene der frühen achtziger Jahre noch die Position des Außenseiters einnahm, ließ der Durchbruch auf der internationalen Bühne nicht lange auf sich warten: auf der Messe in Basel wurden 1981 die ersten Passstücke verkauft und im selben Jahr fand im Museum Ludwig in Köln die große Ausstellung „Westkunst“ statt. Die Förderung durch die Galerie Peter Pakesch ab 1985 stellte die Weichen für seinen großen Erfolg auf dem internationalen Kunstparkett. West war in der Folge bei allen wichtigen Großausstellungen wie der documenta in Kassel oder der Biennale in Venedig vertreten.
Im öffentlichen Raum platzierte West zahlreiche monumentale Skulpturen, die wie Spiegelbilder kollektiver Neurosen wirken und vielfältige Diskurse provozieren, wie etwa die Aufsehen erregenden „Lemurenköpfe“, die ab 1987 entstanden. 1992 stellte er diese grobschlächtigen, geisterhaften Köpfe mit weit aufgerissenen Mündern bei der Documenta IX in Kassel aus, einige Jahre später wurden „Lemurenköpfe“ bei der Stubenbrücke in Wien angebracht.
Einen wichtigen Stellenwert in Wests Oeuvre nimmt auch die Collage ein, in der er Bild- und Textmaterial aus Zeitungen und Illustrierten mit gestischen Zu- und Übermalungen kombiniert.
Franz West ist am 26. Juli 2012 im Alter von 65 Jahren verstorben. (CMG)