Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0106

Wolfgang Hollegha*

(Klagenfurt 1929)

„o. T.“
um 1960
Öl auf Leinwand
218 × 270,5 cm

€ 40.000

Wolfgang Hollegha*
(Klagenfurt 1929 geb.)
o. T., um 1960
Öl auf Leinwand; 218 x 270,5 cm

Provenienz: Anfang der 1960er Jahre direkt vom Künstler erworben; seither österreichischer Privatbesitz

„Ausgangspunkt ist immer ein Gegenstand. Ich male nur nach der Natur.“ (Wolfgang Hollegha)

Wolfgang Hollegha lotet in seinen auf den ersten Blick rein abstrakt wirkenden Gemälden die Grenzen der Wiedererkennbarkeit eines Gegenstandes im Bild aus. Er geht stets von der Anschauung realer Dinge aus und findet etwa in Wurzeln oder Baumstämmen, altem Spielzeug oder Malfetzen eine Inspirationsquelle. In einem kompositorisch ausgewogenen, in den letzten Jahren immer schwebender und duftiger wirkenden Zusammenspiel von abstrakten Farbflecken wird die Wahrnehmung der Natur ins Bild transformiert. Aus geschütteter, dünnflüssiger Ölfarbe formt Hollegha seine großformatigen Kompositionen, der Fluss der Farbe wird präzise gesteuert, jeder Farbfleck ist streng kalkuliert, während die weiß grundierte Leinwand zum essentiellen Teil des Bildganzen avanciert. Stellte die Bewältigung des großen Formats für Hollegha schon früh eine Herausforderung dar, so wird die Tendenz zu überdimensionierten Leinwänden in den letzten Jahren mehr als deutlich. Je größer die ihm zur Verfügung stehende Fläche desto konzentrierter und zugleich gelöster wirkt sein persönlicher Gestus.
Wolfgang Hollegha gehört jener Gruppe von Malern an, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Kunst Österreichs revolutionierten. Gemeinsam mit Arnulf Rainer, Markus Prachensky und Josef Mikl bildete er ab 1955 die Gruppe „St. Stephan“, die Monsignore Otto Mauer in seiner Galerie wesentlich förderte. 1958 erhielt Hollegha den Guggenheim-Preis verliehen. Seinen eigentlichen Durchbruch feierte er 1960 mit Einzelausstellungen in New York und Los Angeles. Hollegha setzte sich damals eingehend mit der amerikanischen abstrakten Malerei, vor allem mit Sam Francis und Morris Louis, auseinander. Letztendlich aber zog es Hollegha zurück in die Steiermark, wo er sich auf dem Rechberg in der Abgeschiedenheit der Natur mit einem eindrucksvollen, aus riesigen Baumstämmen erbauten Atelierhaus, das selbst ein Kunstwerk ist, die idealen Bedingungen für seine Malerei schuf.
(CMG)