Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0105

Friedensreich Hundertwasser*

(Wien 1928 - 2000 vor Brisbane, Australien)

„Schuhsohlenplakat“
1952 / 1972
Aquarell auf Papier auf Leinwand
131 × 61 cm

€ 90.000

Friedensreich Hundertwasser*
(Wien 1928 -2000 vor Brisbane, Australien)
Schuhsohlenplakat: Große Frau mit Schuhen, 1952 / 1972
Aquarell auf Papier auf Leinwand
131 x 61 cm
1952
Signiert und datiert seitlich rechts unten: HUNDERTWASSER 1952
Noch einmal signiert und datiert sowie eigenhändig beschrieben rechts unten: abcdefghijklmnopqurs/ssßtuvwxyz/265/für Cherkoori Pravin/der das Bumbi Schuhplakat/wiedergefunden hat/herzlich gewidmet von/Friedensreich Regentag Wien/Hundertwasser 13 Oktober 1972

Literatur: Hundertwasser, vollständiger Oeuvre Katalog, publiziert aus Anlass der 100. Ausstellung der Kestner-Gesellschaft seit ihrer Wiedereröffnung nach dem Krieg, Hannover 1964, S. 117; Schmied Wieland, Hundertwasser, Verlag Galerie Welz, Salzburg 1974, Abb. 29, S. 312; Fürst, Andrea Christa: Hundertwasser 1928-2000, Werkverzeichnis, Vol II., Köln 2002, Wkvznr. 265, Abb. S. 315

Provenienz: Drs. Geoffrey Shulman and Charlene Linzon-Shulman, Toronto, Canada (in den späten 1980er Jahren direkt vom Künstler erworben)

NORMALBESTEUERUNG

Das künstlerische Schaffen von Friedensreich Hundertwasser vermag auch heute noch ambivalente Meinungen in der Kunstwelt zu provozieren. Gehört Hundertwasser für manche zu den bedeutendsten österreichischen Künstlern des 20. Jahrhunderts, der mit seiner ästhetischen Vision des Einklangs von Kunst und Natur eine einzigartige Position in der Avantgarde einnimmt, so sehen ihn andere als exzentrischen Einzelgänger, der seine bunte, bizarr und teils naiv anmutende Bilderwelt bei einem breiten Publikum abseits des Kunstbetriebs populistisch zu vermarkten wusste. Dass Hundertwasser als zentrale Figur avantgardistischer Strömungen der fünfziger Jahre internationales Renommé genoss und seine frühen Werke im Umkreis von Dubuffet, Tàpies, Fautrier oder Yves Klein diskutiert und gezeigt wurden, ist vielfach in Vergessenheit geraten.
Das hier präsentierte Gemälde „Gras der Erde Regen des Himmels“ aus dem Jahr 1958 gehört zu jenen frühen, bahnbrechenden Werken, die eine nähere Betrachtung und besondere Wertschätzung zweifellos verdienen.
1928 als Friedrich Stowasser geboren, signierte er seine Werke bereits ab 1948 mit Hundertwasser. Auf seinen Reisen durch Europa, aber auch nach Japan und Marokko, fand Hundertwasser wesentliche Anregungen für seine Kunst. Schon um 1952 zählte er zu den Protagonisten der Pariser Avantgarde: er freundete sich mit Yves Klein an und propagierte eine Gegenposition zur abstrakten Malerei. Gleichzeitig avancierte er zu einem wichtigen Vermittler zwischen den jungen Kunstszenen von Paris und Wien. Seine ersten Bilder mit Spiralen entstanden, die in seinem Oeuvre als Sinnbild organischen Wachstums leitmotivischen Charakter einnehmen. Rekurriert er damit deutlich auf den ornamentalen Reichtum des Jugendstils, so ist Hundertwassers formales Vokabular doch niemals geometrisch, sondern immer bestimmt von Konnotationen des Vegetativen. Der geraden Linie, die Hundertwasser als Symbol für die Abkehr vom Leben in Einklang mit der Natur verstand, setzte er organische Formen und irreguläre Kompositionsprinzipien entgegen und entwickelte damit seine eigenständige, unverwechselbare Bildsprache. (CMG)