Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

19. Juni 2012

0008

Jan Brueghel der Jüngere

(1601, Antwerpen - 1678, Antwerpen)

„Weite hügelige Landschaft“
wohl 1637
Öl auf Holz
21 × 35 cm

€ 55.000

Jan Brueghel d. J.
(Antwerpen 1601–1678 ebd.)

Weite hügelige Landschaft mit Planwagen
Öl auf Holz (Panel rückseitig abgeschliffen und auf Holz aufgezogen), 21 × 35 cm späte 1630er Jahre
Provenienz (gemäß Ausst.-Kat. 1977): Sammlung Baillie, Antwerpen 1859 (als Jan Brueghel d. Ä.); Sammlung Weber, Brüssel, 1921 (als Jan Brueghel d. Ä.); Privatsammlung Holland; Galerie Friederike Pallamar Wien, 1977/78; direkt dort
erworben vom derzeitigen Besitzer
Literatur: The Burlington Magazine, London, Juni 1977, S. 471 (Tafel 14); Licht und Farbe in der niederländischen Malerei, Katalog der Ausstellung 1977, Galerie Friederike Pallamar, Wien, 2. November bis 24. Dezember 1977, S. 33–35, Nr. 5,
Abbildung Cover des Ausstellungskataloges (dort als monogrammiert und 1637 datiert beschrieben) Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen, 21. März 2012.

Der Betrachter schaut von leicht erhöhtem Standpunkt auf eine weite Hügellandschaft, die nach rechts auf eine tiefer gelegene Ebene führt. Diese wird von einem baumgesäumten Fluss durchzogen und zeigt im Hintergrund schemenhaft eine Stadt mit sie überragendem Kirchturm. Der linke Bildrand hingegen wird schon ganz im Vordergrund von Bäumen begrenzt. Daneben steht ein Planwagen mit drei Insassen und zwei Begleitern. Das Gefährt wurde von einem Schimmel und zwei dahinter eingespannten Pferden den Weg über die hügelige Landschaft gezogen, auf welchem ein Fußgänger geht und in der Ferne ein weiterer Planwagen zu erkennen ist.
Das Gemälde entspricht dem Typus der sogenannten „Weiten Landschaften“, der vor allem durch Jan Brueghel d. Ä. und Josse de Momper geprägt worden war (vgl. K. Ertz/ C. Nitze-Ertz, Jan Brueghel d. Ä., Lingen 2008–11, Bd. I, Kat. 36: Jan Brueghel d. Ä., „Der Rohrdommeljäger“, 1605, Öl auf Holz, 42 × 71 cm, Dresden Gemäldegalerie, Gal. Nr. 881). Diese Landschaften dienen wie auch in unserem Gemälde als Hintergrundfolie für verschiedenste Staffagen und vereinen in Nah-und Fern-Landschaft zwei Raumqualitäten. Zum einen erlebt der Betrachter fast unbegrenzte Weite, zum anderen „wird der Raum durch abwechselnde Licht-Schatten-Zonen rhythmisch gegliedert.“ Dr. Ertz vergleicht vorliegendes Gemälde diesbezüglich mit weiteren Werken Jan Brueghels d. J., wie beispielsweise der „Weiten Landschaft mit Windmühle“ (Ende 1620er Jahre, Öl auf Holz 41 × 62 cm, München, Alte Pinakothek, Inv. Nr. 830, Lit: K. Ertz, Jan Brueghel d. J., Lingen 1984, Kat. 15) oder „Rast auf einer Landstraße“ (Öl auf Holz, 24 × 32,5 cm, 30er Jahre, Privatbesitz, Lit: K. Ertz, 1984, Kat. 20).
Wie Dr. Ertz in seinem Gutachten feststellt, findet Jan Brueghel d. Jüngere ab Mitte der 1630er Jahre zu seinem persönlichen Stil und „interpretiert die Kompositionen des Vaters. Beachtenswert ist die Fähigkeit zu malerischer Dramatik, wie sie bei dem Vater in dieser Ausdrucksstärke nur ganz vereinzelt an zutreffen ist. Das Besondere des zu begutachtenden Bildes ist nicht das fast immer von links oben einfallende Sonnenlicht, das uns aus den Gemälden des Vaters durchaus vertraut ist, sondern der Widerschein dieses Lichtes, das den hinteren Hügelbereich ‚zum Glühen’ bringt. Der Kontrast des darüber liegenden dunklen Himmels und die verschattete Zone, die Himmel und Erde abgrenzt, verstärkt die Wirkung dieses Effektes.“ Dr. Ertz datiert unser Gemälde in die späten 30er Jahre des 17. Jahrhunderts.