Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

0162

Siegfried Anzinger*

(Weyer 1953)

„Zwei Frauen am Waldrand“
2006
Tempera auf Leinwand
130 × 100 cm

€ 15.000 - 25.000

Siegfried Anzinger*
(Weyer 1953 geb.)

Zwei Frauen am Waldrand
Tempera auf Leinwand
130 x 100 cm
2006
Signiert, datiert und betitelt rückseitig: Anzinger / Zwei Frauen am Waldrand / I/06
Provenienz: Österreichischer Privatbesitz

„Gewöhnlich arbeite ich hauptsächlich nachts. Nachts fällt das Licht nur auf die Leinwand. Alle anderen Objekte liegen im Schatten, und so kann ich nicht leicht abgelenkt werden. Außerdem fühle ich mich manchmal nachts wirklich wie ein Künstler, es ist ruhig, ich höre nur den Pinsel. Manchmal bekomme ich nachts das Gefühl, ein wirklich großer Maler zu sein, während im grellen Tageslicht alles sehr viel normaler ist. Nachts wachsen Phantasie und Gefühl enorm an, tags sind sie konzentrierter, nüchterner; der Tag ist realistischer. Mein Rezept für ein gutes Bild ist, nachts anzufangen und es bei Tag zu vollenden.“ (Siegfried Anzinger)

Siegfried Anzinger studierte von 1971 bis 1977 bei Maximilian Melcher an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er gilt als einer der Begründer und international erfolgreichsten Vertreter der „jungen, wilden“ Malerei. Seit 1997 ist er Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. 1990 erhielt er den Preis der Stadt Wien für Malerei, 2003 wurde er mit dem großen österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Siegfried Anzinger, der Mitglied des österreichischen Kunstsenats ist, lebt in Köln und Wien.

Die Werke des Malers Siegfried Anzinger sind von der Schnelligkeit der Ausführung, von Spontanität und spielerischer Leichtigkeit bestimmt. Im Grunde sind seine Bilder nie ganz fertig – was dem Künstler auch wichtig ist. Durch mehrfache Übermalungen entstehen bis zu zwanzig Farbschichten. Während Anzingers Malweise anfangs stark gestisch und expressiv war, wirken neuere Bilder wesentlich ruhiger, und gerade dadurch leichter, schwebender.

Seit vielen Jahren malt Anzinger hauptsächlich mit Leimfarbe. Dabei handelt es sich um eine dünne, transparente Farbe, die allerdings nicht korrigierbar ist. Die Komposition muss daher in einem einzigen Vorgang gelingen. Wenn der Künstler das Ergebnis unzureichend empfindet, nimmt er die Leimfarbe wieder vollständig ab und beginnt von Neuem. Seine Bilder zeichnen sich durch ein hohes Maß an kompositorischer Sicherheit aus. Seit etwa zehn Jahren konzentriert er sich in seinen Bildthemen auf Tiere, Madonnen, die Schöpfungsgeschichte und erotische Darstellungen. Oft sind es aber Linienreste, aus denen der Künstler Formen entstehen lässt. (OHR)