Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

0146

Martha Jungwirth*

(Wien 1940)

„Porträt“
Öl auf Karton auf Leinwand
103 × 73 cm

€ 10.000

Martha Jungwirth*
(Wien 1940 geb.)
Porträt
Öl auf Karton auf Leinwand
103 x 73 cm
Signiert rückseitig: Martha Jungwirth
Provenienz: Österreichischer Privatbesitz

„Wenn die äußere Bewegung, die Körperbewegung und die innere Bewegung zusammentreffen, und wenn dieses Zusammentreffen glückt, dann geht die Malerei los.“ (Martha Jungwirth)

Martha Jungwirth studierte von 1956 bis 1963 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, wo sie in den Jahren 1967 bis 1977 auch lehrte. 1968 bildete sie mit Franz Ringel, Peter Pongratz, Wolfgang Herzig, Robert Zeppel-Sperl und Kurt Kocherscheidt, die von Otto Breicha entdeckte Gruppe „Wirklichkeiten“, die er in einer denkwürdigen Ausstellung in der Secession präsentierte. Die Gruppe reklamierte gegenüber dem damals international dominierenden Informel eine gesellschaftsrelevantere, realistische Malerei. Jungwirth selbst arbeitete allerdings stets an der Grenze zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei. Nach diesen ersten Erfolgen in den 1960er Jahren lebte sie für einige Monate in New York, kehrte aber dann nach Österreich zurück.

Jungwirths Werke wurden mehrfach in großen Ausstellungen gezeigt, u. a. auf der documenta VI. Seit den 1960er Jahren ist sie vor allem für ihre Arbeiten auf Papier bekannt. Sie begann mit Selbstporträts und der Darstellung von Alltagsgegenständen, die in der zeichnerisch virtuosen Umsetzung von elektrischen Haushaltsgeräten (Indesit-Serie) gipfelt. Diese neue gegenständlich orientierte Kunst nahm das reale Leben zum Ausgangspunkt und richtete sich gegen beide, damals in Wien vorherrschenden Kunstströmungen, das Informel und den Phantastischen Realismus.

Während Martha Jungwirth in ihren frühen Werken dem Gegenstand noch stark gegenständlich malte, löste sich die Form in den 1980er Jahren immer mehr in Richtung Abstraktion und Emotion auf: die Gegenstandsfarbe wurde zur Gefühlsfarbe. Martha Jungwirth ist eine Malerin durch und durch; instinktiv erfasst sie, dass Sehen unsere entscheidende Fähigkeit ist, Leben sinnlich zu erfahren, und dass Farbe in dieser Hinsicht alles ist. Pointiert setzt sie Farbtupfer, lässt Flächen verschwimmen, und auf diese Weise die Erinnerung eines Gegenstandes oder die Atmosphäre einer bestimmten Landschaft wieder aufleben. (OHR)