Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. März 2012

0263

Wolfgang Stifter*

(Ottensheim 1946)

„Sperrige Liebe“
2008
Eitempera u. Kohle auf Zementgrund auf Leinwand
140 × 100 cm

€ 4.000

Wolfgang Stifter*
(Ottensheim 1946 geb.)
Sperrige Liebe
Eitempera u. Kohle auf Zementgrund auf Leinwand
140 x 100 cm
2008
Signiert und datiert rechts unten: Stifter 08
Rückseitig bezeichnet, signiert und datiert

So wie Ernst Skricka, Tone Fink, Erich Steininger und andere der unmittelbar nach dem
2. Weltkrieg Geborenen hat auch Wolfgang Stifter, Jahrgang 1946 und seit langem in Ottensheim an der Donau in Oberösterreich ansässig, die von Max Melcher geleitete Meisterklasse für Graphik an der Akademie der bildenden Künste besucht. Das Wiener Milieu von damals begünstigte offensichtlich nicht nur die künstlerische Selbstfindung der Genannten, sondern auch ein spezifisches Naturverständnis mit Handschrift.

Zwischen Malerei und Zeichnung, den Anwendungsmöglichkeiten der Farbe und jenen des Strichs, hält Wolfgang Stifter eine ideale Balance. Zugleich setzt er innovativ und variantenreich ein auf Harmonie abzielendes Naturverständnis um, mit hohem Abstraktionsgrad und autonomen Umgang im rein Bildnerischen.

Wie er Natur sieht, versteht und analysiert, liegt im Elementaren begründet. Was ihn beschäftigt sind Ausschnitte aus dem Weltganzen: Strukturen und Schichtungen und nicht zuletzt die Kollisionen heterogener Elemente, die Prozesse auslösen und konkrete Folgerungen haben.
Malerei findet und erfindet, macht sichtbar und bewährt sich als Vermittler zwischen Chaos und Ordnung, Bewegtheit und Ruhe, Emotionalität und Intellekt.
Mitbestimmt ist die schöpferische Basis des Malers durch eine starke Affinität zu Informel und Abstraktem Expressionismus der 1950er und 1960er Jahre. In deutlicher, risikobetonter Abkehr vom rein Abbildhaften tendierten diese Stilrichtungen zu einer gestisch geprägten, improvisationsfreudigen Malerei und Graphik.

Das hier vorgestellte Gemälde „Sperrige Liebe“ aus 2008 ist ausgewogen und zugleich voller Spannungen: - ein Hochformat mit starken Rot-Schwarz-Kontrasten auf graubeigem Grund und zugleich ein typisches, gelungenes Beispiel einer mit dosiertem Dynamit auskommenden
Sprengkraft, die die Bildelemente an die richtigen Stellen bringt und in lesbaren, gegensätzlichen Metaphern ein ebenso gegensätzliches Thema aufbereitet.
Das graphisch-malerische Beziehungsnetz projiziert Impuls und Imperativ des Künstlers
dynamisch und sicher gesetzt auf die Leinwand.
(Peter Baum)