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Dagobert Peche
(St. Michael 1887 - 1923 Mödling)
„"Kaffeeservice"“
Wiener Werkstätte, 1922
Silber, Hammerschlagdekor, Elfenbeinknauf und -handhaben; 5-teiliges Service, bestehend aus: 1 Tablett, 1 Kaffeekanne, 1 Zuckerschale, 1 Milchkanne und 1 Zuckerzange; jeweils gemarkt mit "WIENER/WERK/STÄTTE", Wiedehopfpunze, Silberfeingehalt "935" und "MADE/IN/AUSTRIA", teilweise mit Entwerfermonogramm "DP"
42,8 x 37,5 cm (Tablett), H. 27 cm (Kaffeekanne), H. 10,4 cm (Zuckerschale), H. 9,2 cm (Milchkanne), L. 12,1 cm (Zange)
Literatur
Deutsche Kunst und Dekoration, 1923, Band 11, S. 99;
Wiener Werkstätte-Archiv, MAK, Wien: Inv.-Nr. WWF 96-238-2 (Entwurf); Inv.-Nr. WWF 96-224-1, WWF 137-12-1 und WWF 96-238-2 (zeitgenössische Fotos);
Max Eisler (Hg.), Dagobert Peche. Stuttgart 1992 (Reprint von 1925), S. 27;
Peter Noever (Hg.), Die Überwindung der Utilität. Dagobert Peche und die Wiener Werkstätte, Ostfildern 1998, S. 213, Abb. 31;
Christian Witt-Dörring (Hg.), Wiener Werkstätte. 1903-1932. The luxury of beauty, München/London/New York 2017, S. 170, Abb. 17, S. 480, Abb. 14;
Lilli Hollein, Claudia Cavallar, Anne-Katrin Rossberg (Hg.), PECHE POP. Wien 2025, S. 145
CITES-Bescheinigung liegt vor.
Schätzpreis: € 35.000 - 70.000
erzielter Preis: € 78.000 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 60.000
Auktion ist beendet.
In ihrem anlässlich der Eröffnung der Wiener Werkstätte veröffentlichten „Arbeitsprogramm“ haben Koloman Moser und Josef Hoffmann der kunstinteressierten Öffentlichkeit, ihren potentiellen Kunden, ihren Künstler-Kollegen und -Mitbewerbern bekanntgegeben, was in dem neu gegründeten Unternehmen hergestellt werden soll und welche Prinzipien dabei beachtet werden werden: Hervorragende Handwerkskunst, keine „Massenproduktion“, Funktionalität, Materialgerechtigkeit, Vermeidung funktionslosen Zierrats. Die auf diesen Grundsätzen aufbauenden Stilelemente sind bei fast allen von der Wiener Werkstätte nach Entwürfen Josef Hoffmanns aus den Jahren 1903 – 1906 ausgeführten Werkstücken gut zu sehen.
Für den ganz konträren Stil des Dagobert Peche existieren verschiedene Begründungen: Von „in die Wiege gelegt“ über „dem Zeitgeist entsprechend und angepasst“ bis hin zu „in bewusstem Gegensatz zu seinem Mentor Josef Hoffmann“. Und ebenso divergieren die Begründungen dafür, dass Josef Hoffmann von den vielen sich anbietenden Künstlern ausgerechnet Dagobert Peche eine Anstellung in der Wiener Werkstätte angeboten hat. Sicher ist, dass Hoffmann neben sich einen weiteren künstlerischen Leiter – an Stelle des 1908 aus der Wiener Werkstätte ausgeschiedenen Koloman Moser – einstellen wollte. Fest steht – auch das ist an unserem 5-teiligen Service deutlich zu sehen – dass seine Kreationen in geradezu betontem Widerspruch zu dem Programm der Wiener Werkstätte stehen: Verarbeitet werden meist kostbare Werkstoffe, in unserem Fall Silber und Elfenbein. Die Handhaben und Henkel sind weniger funktionell, als in erster Linie dekorativ. Auch die Verarbeitung der Gefäßkörper zu komplizierten, rund und schräg verlaufenden Kanneluren lässt sich beim besten Willen nicht als materialgerecht oder funktionsbedingt erklären; sondern im Gegenteil, als ganz bewusste Betonung des nicht Funktionellen, Dekorativen.
Genau das macht die Kunst Dagobert Peches so außergewöhnlich, genau das führt gegenwärtig, wie etwa die höchst erfolgreiche Ausstellung "PECHE POP" im Österreichischen Museum für angewandte Kunst dieses Jahr veranschaulicht hat, zu einem Revival und weiterwachsenden Interesse an Arbeiten dieses vielseitigen Künstlers. (EP)









