Auktionshaus

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Auktion: Privatsammlung Mag. Peter Kovacek

21. Oktober 2025, 16:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0001

Josef Hoffmann

(Pirnitz 1870 - 1956 Wien)

und

Carl Otto Czeschka

(Wien 1878 - 1960 Hamburg)

„"Bonbonnière"“
Wiener Werkstätte, um 1908
Silber, innen vergoldet; auf dem Deckel Schwein mit Landhaus, datiert "8. DEZEMBER 1908"; auf der Unterseite gemarkt mit Entwerfermonogramm "JH", Rosenmarke, "WW" und Silberschmiedmonogramm "JH" für Josef Hossfeld, innen gemarkt mit "WW" und Dianakopfpunze
2,2 x 8,9 x 8,9 cm

Literatur

Wiener Werkstätte-Archiv, MAK Wien: Inv.-Nr. WWF 94-93-6, WW Modellnr. S 1230 (zeitgenössisches Foto)

Schätzpreis: € 1.000 - 2.000
erzielter Preis: € 10.400 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 8.000
Auktion ist beendet.

Aus dem Modellbuch der Wiener Werkstätte geht hervor, dass unsere Bonbonnière vierzehn Mal ausgeführt worden ist. Auftraggeber und Käufer unserer Dose war Karl Wittgenstein. Dennoch bleiben zwei Fragen ungeklärt:
Die stilistische Gestaltung des Objekts wirft Fragen über die werkstattinterne Beteiligung und die gestalterische Handschrift auf: Zwar trägt die Bonbonnière das Monogramm Josef Hoffmanns, doch die aufgelötete Plakette weist einen deutlich ornamentaleren und expressiveren Stil auf, sie steht dem Stil Carl Otto Czeschkas näher als dem reduzierten, konstruktiven Formenvokabular Hoffmanns in dieser Zeit. Es handelt sich also um eine gemeinschaftliche Arbeit innerhalb der Wiener Werkstätte, wobei die Dose von Josef Hoffmann und die Plakette von C.O. Czeschka gestaltet worden ist.
Die zweite offene Frage betrifft das ikonographische Motiv. Im Vordergrund ist ein Schwein zu sehen, im Hintergrund ein Gebäude, das sich als das Jagdhaus der Familie Wittgenstein in Hochreit identifizieren lässt. In Anbetracht der Datumsangabe 8. Dezember – einem in Österreich als Mariä Empfängnis gefeierten Feiertag – liegt nahe, dass es sich um ein Erinnerungsgeschenk handelt.
Eine mögliche Deutung wäre ein Bezug auf ein sogenanntes „Schweindl-Fest“, wie es etwa aus dem Umfeld der Familie Primavesi bekannt ist. Solche Feste, die mit symbolischen Geschenken verbunden waren, könnten auch in der Familie Wittgenstein gefeiert worden sein. (MB)