2314
Hermann Nitsch*
(Wien 1938 - 2022 Wien)
„o.T.“
2021
Acryl auf Leinwand; gerahmt
200 x 150 cm
Rückseitig signiert und datiert: Hermann Nitsch, 2021
Provenienz
österreichische Privatsammlung
Schätzpreis: € 35.000 - 70.000
erzielter Preis: € 53.600 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 40.000
Auktion ist beendet.
Die Bezeichnung Universalkünstler trifft nur auf wenige Künstler zu – auf Hermann Nitsch jedoch ohne Zweifel. Als Aktionist, Maler, Komponist und Bühnenbildner hat er mit seinem umfassenden und einzigartigen Werk österreichische Kunstgeschichte geschrieben. Sein Oeuvre, das weit über die Landesgrenzen hinaus wirkt, ist ebenso faszinierend wie vielschichtig und umfangreich.
Als Mitbegründer und zentraler Protagonist des Wiener Aktionismus sowie mit seinem künstlerischen Konzept des Orgien-Mysterien-Theaters strebte Nitsch danach, das Leben in seiner existenziellen Bandbreite sinnlich, körperlich und visuell erfahrbar zu machen. Innerhalb dieses multimedialen Gesamtkunstwerks nimmt die Malerei eine besondere Stellung ein: Sie markiert sowohl den Ursprung der Aktion als auch ihr Ergebnis.
Um 1960 entstanden die ersten Schüttbilder, die sich im Laufe der Jahrzehnte sowohl in ihrer Substanz als auch in ihrer Farbigkeit veränderten. Bis in die späten 1980er Jahre verwendete Nitsch hauptsächlich die Farbe Rot – als Symbol für Blut, Fleisch, Liebe, Leben und Tod. Später traten die liturgischen Farben Grün, Schwarz, Weiß, Violett und Gelb hinzu. Zentral blieb dabei stets die Auseinandersetzung mit der Materialität der Farbe. Sie wurde vom Künstler geschüttet, gespritzt, gepinselt oder auch mit bloßen Händen aufgetragen und verschmiert. In seinem Spätwerk öffnete sich Nitsch schließlich einer noch größeren Farbpalette, sodass Werke mit üppigen, an Blüten erinnernden Farbklängen entstanden. Seine tiefe Verbundenheit zur Natur ist in den farbintensiven Arbeiten der letzten Jahre besonders spürbar. Er war „verliebt in die Natur, die wie im Farbenrausch das Leben feiert und sich immerwährend neu erfindet.“ (Rita Nitsch in: Ausstellungskatalog, Hermann Nitsch Farbenwelten, Sammlung Werner Trenker, hrsg. von Werner Trenker, Museum Sankt Peter an der Sperr, Wiener Neustadt 2023, S. 43.)
Das vorliegende großformatige Werk stammt aus dieser lebensbejahenden späten Schaffensphase. Nitsch wählte ein strahlendes Gelb, das sich in feinen Abstufungen von hellen Nuancen bis hin zu kräftig leuchtendem Orange über die gesamte Oberfläche der Leinwand entwickelt. Die lebendige Farbigkeit lädt den Betrachter ein, in eine intensive sinnliche Erfahrung einzutauchen. Genau darum ging es Hermann Nitsch mit seiner Kunst: um die tiefe Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz.
„Meine Arbeit ist keine Provokation, sondern eine Einladung, über die grundlegenden Fragen des menschlichen Daseins nachzudenken.“ (Hermann Nitsch in: Ausstellungskatalog, Hermann Nitsch Farbenwelten, Sammlung Werner Trenker, hrsg. von Werner Trenker, Museum Sankt Peter an der Sperr, Wiener Neustadt 2023, S. 38.)
(Sophie Höfer)







