2040
Franz West*
(Wien 1947 - 2012 Wien)
„Le comfort d'une voyage maritime“
1981
Collage, Mischtechnik auf Papier; gerahmt
22,5 x 50 cm
Signiert und datiert rechts oben: F. West, 81
Bezeichnet mittig unten: Le comfort d'une voyage maritime
Provenienz
direkt vom Künstler;
seither Privatbesitz, Österreich
Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
erzielter Preis: € 26.800 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 20.000
Auktion ist beendet.
Franz West zählt zu den bedeutendsten Künstlern der österreichischen Nachkriegszeit. Bekannt für seine experimentelle Pop- und Konzeptkunst, arbeitete er an der Schnittstelle von Collage, Skulptur und Installation. Dabei integrierte er Alltagsgegenstände, Textfragmente und Aktfotografien in seine Werke. Mit ironischem und unkonventionellem Blick hinterfragte er gesellschaftliche Konventionen, Sexualität, Begehren sowie das Verhältnis zwischen Kunst und Betrachter. Besonders seine Passstücke, skulpturale Objekte, die zur Interaktion einladen, machten ihn international berühmt.
Wests künstlerische Arbeitsweise zeigt sich auch in dieser Collage: Sie verbindet Alltägliches, Erotisches und Konzeptuelles, um gesellschaftliche Normen und Wahrnehmungen spielerisch in Frage zu stellen. Durch die Kombination von Aktfotografie, handschriftlichen Texten und geometrischen Farbflächen entsteht eine provokative Interaktion zwischen Betrachter und Bild – typisch für Wests frühe Collagen.
Das Werk zeigt zwei Frauen, die entspannt auf dunklen Sofas liegen. Links sitzt eine halbnackt bekleidete Frau in erotischen Strümpfen und blickt den Betrachter direkt an. Rechts lehnt eine weitere Frau, ebenfalls in Strümpfen, mit laszivem Blick. Der Hintergrund besteht aus einer weißen, geometrischen Fläche, die an Holzbohlen oder ein Schiffsdeck erinnert. Darüber erstreckt sich eine türkisblaue Zone, die an Meer oder Himmel denken lässt. Zwischen den Figuren ist handschriftlich der Satz „Le confort d’une voyage maritime“ notiert – französisch für „Der Komfort einer Seereise“.
Die Komposition spielt ironisch mit Erotik und Alltagsästhetik. Während der Titel die bürgerliche Vorstellung von Komfort aufgreift, bleibt die Darstellung sperrig und unkonventionell. Das Werk gehört zu Wests frühen Collagen und thematisiert auf ironische Weise gesellschaftliche Konventionen, Sexualität und Begehren durch die Verbindung von Aktfotografie, Textfragmenten und Farbfeldern.
(Stefan Üner)





