Auktionshaus

Auktion: Moderne Kunst

02. Dezember 2025, 17:00 Uhr

1523

Koloman Moser

(Wien 1868 - 1918 Wien)

„Drei weibliche Akte in Landschaft (Drei Grazien)“
1914
Öl auf Leinwand; gerahmt
75 x 75 cm
Signiert und datiert unten mittig: Kolo Moser / 1914

Provenienz

1918 Nachlass des Künstlers (Erben nach Kolo Moser: Editha Hauska, Karl und Dietrich Moser, Wien);
1920 Verkaufsausstellung Kunstverlag Wolfrum, Wien;
Dorotheum Wien, 09.05.1944, Nr. 106;
Dorotheum Wien, 14.03.1962, Nr. 326, Taf. 77 (Abb.);
Dorotheum Wien, 19.09.1962, Nr. 323;
Dorotheum Wien, 15.02.1963, Nr. 818;
1963 Privatbesitz, USA;
2023 Privatbesitz, Österreich

Ausstellung

1920 Wien, Österreichisches Museum für Kunst und Industrie, Kunstschau, Juni-September, Nr. 64;
1920 Wien, Kunstverlag Wolfrum, Kolo Moser-Nachlass-Ausstellung, 23.11.-15.12., Nr. 116 ("Drei Grazien")

Literatur

Ludwig Steinmetz, Kunstschau 1920, in: Kunst und Kunsthandwerk 23, S. 173 (Abb.);
Josef Engemann, Koloman Moser. Ein Aussteiger der Wiener Secession, in: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 56/57, 2002/2003, S. 309, Abb. 23;
Gerd Pichler, Koloman Moser. Die Gemälde. Werkverzeichnis, Wien 2012, WV 148*, s/w-Abb. S. 143 (Titel dort: Drei weibliche Akte in Landschaft)

Das 2012 unter Vorbehalt in das Werkverzeichnis aufgenommene Gemälde wurde von Herrn Dr. Gerd Pichler nun als authentisches Gemälde mit der Werkverzeichnisnummer 148 und dem Werktitel "Drei weibliche Akte in Landschaft (Drei Grazien)" bestätigt.

Gutachten von Dr. Gerd Pichler, Wien, 20.10.2025, liegt bei.

Schätzpreis: € 350.000 - 700.000
erzielter Preis: € 572.000 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 440.000
Auktion ist beendet.

„Das vorgelegte Gemälde zeigt drei schlanke weibliche Akte mit langen Haaren, die sich einander zuwenden. Wie in vielen seiner symbolistischen Gemälde positioniert Koloman Moser die Szene in einer Wolkenlandschaft und zeigt sie so von der Welt entrückt in einer himmlischen Sphäre. Die Körperspannung der Frauen erinnert an die Posen von Tänzerinnen. Ihre ausdrucksstarken Haltungen bis hin zu den verkrampften Händen vermitteln viel Selbstbewusstsein. Trotz ihrer Ähnlichkeit, die sie als Schwestern erscheinen lässt, liegt in der Szene eine stark aufgeladene konfrontative Spannung. Seit 1913 konzentrierte sich Koloman Moser in seinem malerischen Schaffen neben den in seinem Werk immanenten Landschaftsdarstellungen immer mehr auf figurale Gemälde mit symbolischen Inhalten. Im Zentrum seines Interesses steht der Mensch als Individuum im Spannungsfeld seiner Emotionen und als Teil einer kosmischen Ordnung. Motivisch interessiert sich Moser hierbei gleichrangig für christliche, allegorische und mythologische Inhalte, die er allesamt als allgemein gültige Fragestellungen der menschlichen Existenz thematisiert.

Wie bei den meisten Gemälden Mosers ist auch für dieses Gemälde kein originaler Bildtitel überliefert und die Interpretation der Szene bleibt dem Betrachter überlassen. Moser selbst lehnte Bildtitel ab, denn Bilder seien eben gemalt und nicht gesprochen (siehe Pichler 2012, S. 14).

Das Gemälde wurde im Juni 1920 im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (dem heutigen MAK) in der „Kunstschau“ unter dem Titel „Drei Akte“ gezeigt. Koloman Moser war in dieser Ausstellung ein eigener Raum gewidmet, in dem 19 Gemälde des früh verstorbenen Wegbereiters der Moderne in Wien gezeigt wurden. Mosers Gemälde waren bei dieser Schau in bester Gesellschaft: Dem Raum Mosers waren die Ausstellungsräume der ebenfalls 1918 verstorbenen Maler Gustav Klimt und Egon Schiele benachbart.

Bereits zwei Monate später bot sich die nächste Gelegenheit das Gemälde im Rahmen einer Ausstellung zu sehen, nämlich bei Mosers Nachlass-Ausstellung. Diese fand vom 23.11.-15.12.1920 in den Räumen des Kunstverlags Wolfrum am Wiener Kohlmarkt 4 im 2. Stock statt. Hier wurde das Bild als Nr. 116 unter dem Titel "Drei Grazien" zum Kauf angeboten. Das Gemälde wurde bei der Nachlassausstellung verkauft, da es nicht auf der Rückgangsliste aufscheint, die nach Ausstellungsende, am 7. März 1921 von der Galerie Wolfrum angefertigt wurde (siehe Pichler 2012, S. 22). Der Käufer des Gemäldes ist nicht überliefert.“
(Auszug aus dem Gutachten von Dr. Gerd Pichler, Wien, 20.10.2025)