Auktionshaus

Auktion: Moderne Kunst

02. Dezember 2025, 17:00 Uhr

1603

Fritz Wotruba*

(Wien 1907 - 1975 Wien)

„Liegende Figur, "Die Woge"“
1966
Bronze
L. 61 cm, B. 21 cm, T. 26 cm
Signiert und nummeriert: Wotruba / 5/7
Posthumer Guss
Das Gussbuch der Arbeiten Wotrubas sieht für diese Figur eine Auflage von sieben arabisch nummerierten Güssen vor.

Provenienz

Fritz Wotruba Privatstiftung;
Auktionshaus im Kinsky, 06.03.2012, Nr. 279;
österreichischer Privatbesitz

Literatur

Vergleiche: Agnes Pistorius, Fritz Wotruba. Das szenische Werk, Wien, 1995, S. 54 und 56 (Abbildung Gipsmodell und Umsetzung in Bühnenbauteil);
Vergleiche: Jürg Janett (Hg.), Otto Breicha, Fritz Wotruba. Werkverzeichnis Skulpturen, Reliefs, Bühnen- und Architekturmodelle, St. Gallen 2002, WV-Nr. 290, Abb. 290, S. 254 (plaster cast based on clay model)

Schätzpreis: € 25.000 - 40.000
erzielter Preis: € 37.520 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 28.000
Auktion ist beendet.

In den sechziger Jahren schuf der österreichische Bildhauer Fritz Wotruba, der heute zu den „Klassikern“ der Plastik der internationalen Nachkriegsmoderne zählt, in Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Gustav Rudolf Sellner umfangreiche Arbeiten für das Theater. Es entstanden Entwürfe und Modelle für Bühnenarchitektur und Kostüme für einen Antikenzyklus von Sophokles von 1960 bis 1966 am Burgtheater Wien, in der Felsenreitschule in Salzburg und im antiken Theater des Herodes Atticus in Athen sowie 1967 für Richard Wagners Oper „Ring des Nibelungen“ an der Deutschen Oper in Berlin. Mit diesem Projekt schloss Wotruba seine sehr erfolgreichen Arbeiten für die Bühne ab.
Der Bildhauer baute für den „Ring“ mit seinen monumentalen Raumskulpturen eine „Urlandschaft“, deren Wirkung durch Licht und Farbe gesteigert wurde. Das vorliegende Werk entstand ursprünglich für das erste Bild „Auf dem Grund des Rheins“ von Rheingold. Wotruba betrachtete diese liegende Figur aber auch als selbständige Arbeit außerhalb der Bühnenarbeiten und sah sie für den Bronzeguss vor.
Bei diesem und einigen weiteren Bildern der betreffenden Ring-Inszenierung war ein durchscheinender Tüllschleier über die ganze Breite der Bühne angebracht, der die kantige Bühnenarchitektur Wotrubas etwas weicher erschienen ließ. Für das Bild „Auf dem Gund des Rheins“, das nur aus der großformatig gebauten Wogen-Figur bestand, wurde die Figur nochmals auf den Vorhang projiziert, dessen leichte Bewegungen den Eindruck von sanft bewegtem Wasser vermittelten.
Das Element der Bewegung ist für diese liegende Figur besonders kennzeichnend. Entsprechend der Konzeption, die Wotruba in seinem späten Werk entwickelte, besteht die Figur aus plattenförmigen Teilen, bei denen durch konvexe und konkave Kanten die Grundform des strengen Kubus aufgebrochen wurde. Diese Lebendigkeit der Formen und die dynamische Anordnung der einzelnen Elemente zueinander verleihen der Figur ein Bewegungsmoment, das sie zu den bedeutendsten Werken des Spätwerks macht.
(Gabriele Stöger-Spevak, 2012)