1539
Franz Sedlacek
(Breslau 1891 - 1945)
„Lied in der Dämmerung“
1936
Tuschfeder auf Papier; gerahmt
33 x 43,5 cm (Passep.-Ausschnitt), 43,7 x 60 cm (Blattmaß)
Monogrammiert und datiert rechts unten: f S / 1936
Provenienz
aus dem Nachlass des Künstlers
Ausstellung
1952 Linz, Neue Galerie der Stadt Linz, 16.10.-Dez., Nr. 65;
1978/79 Wien, Galerie Hassfurther, 01.12.1978-01.03.1979
Literatur
Neue Galerie Linz, Wolfgang-Gurlitt-Museum (Hg.), Franz Sedlacek, Ausstellungskatalog Neue Galerie der Stadt Linz, Linz 1952, Kat.-Nr. 65;
Elisabeth Hintner-Weinlich, Der Maler und Graphiker Dr. Franz Sedlacek, Dissertation, Innsbruck 1987, Nr. 261, S. 348;
Elisabeth Hintner, Franz Sedlacek. Werk und Leben 1891-1945, Wien 1998, Nr. 63, Abb. S. 94
Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
erzielter Preis: € 71.500 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 55.000
Auktion ist beendet.
Franz Sedlacek gehört zu den bedeutendsten Malern der österreichischen Kunst zwischen den Kriegen. Mit seinen magisch-phantastischen Bildschöpfungen stand er der Strömung der Neuen Sachlichkeit nahe und bewegte sich auf der Höhe der Kunst seiner Zeit. In seinen Bildern erschuf er bizarre Welten, die schon für Zeitgenossen faszinierend waren und unseren Blick heute mehr denn je gefangen nehmen. 1891 in Breslau geboren, kam Sedlacek im Alter von 6 Jahren mit seiner Familie nach Linz. Er wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen auf, besuchte in Linz die Mittelschule und übersiedelte dann nach Wien, um an der Technischen Hochschule Chemie zu studieren. 1921 erhielt er eine Stelle als Kustos für Chemische Industrie am Technischen Museum in Wien. Neben seiner bürgerlichen Existenz galt seine Passion der Kunst. Die Anfänge von Sedlaceks künstlerischem Schaffen liegen in der Graphik. Ab 1913 wurden Karikaturen und Zeichnungen in Zeitschriften, die sich der politischen und gesellschaftlichen Satire verschrieben hatten, veröffentlicht: zahlreiche Graphiken erschienen in der Wiener Zeitschrift „Muskete“ und im Münchner „Simplicissimus“. Erst Anfang der 1920er Jahre wandte er sich dem Medium Malerei zu. 1927 wurde er Mitglied der Wiener Secession, zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland folgten. Die dreißiger Jahre entwickelten sich zu Sedlaceks produktivster künstlerischer Phase; seine künstlerischen Leistungen wurden mit wichtigen Auszeichnungen gewürdigt: 1933 bekam er die Österreichische Staatspreismedaille verliehen und 1937 erhielt er den Österreichischen Staatspreis.
Skurril-groteske und magisch-lyrische Bildfantasien ziehen sich ebenso wie alptraumartige Szenerien als Leitfaden durch das Oeuvre und prägen schon die frühen graphischen Arbeiten. Die Affinität zum Unheimlichen wurde bei Sedlacek - ähnlich wie bei Alfred Kubin - durch ein Nahverhältnis zur Literatur inspiriert, so schätzte er etwa den literarischen Meister des Düsteren, Edgar Allen Poe und teilte dessen Faszination für das Grauen und die phantastische Erzählung.
Charakteristisch für seine Federzeichnungen ist die fein abgestimmte graphische Ausführung, kombiniert mit einem klar geordneten Bildaufbau. Eine Vielzahl von detailgenauen Strichen und Schraffuren unterschiedlicher Dichte sowie starke Hell-Dunkel-Effekte sind bestimmende Ausdrucksmittel der spannungsvollen Kompositionen. (Claudia Mörth-Gasser)

