Auktionshaus

Auktion: Moderne Kunst

02. Dezember 2025, 17:00 Uhr

1511

Alfons Walde*

(Oberndorf 1891 - 1958 Kitzbühel)

„Die Godl (Palmbretzen)“
1912
Öl auf Karton; gerahmt
29,5 x 27,7 cm
Monogrammiert und datiert rechts unten: AW / 1912
Rückseitig auf Karton eigenhändig bezeichnet: "die Godl"
Fachkundig restauriert im Oktober 2025.

Provenienz

Privatbesitz, Deutschland

Literatur

Gert Ammann, Michael Walde-Berger, Alfons Walde. 1891-1958. Monografie mit Verzeichnis der Werke in Öl, Tempera, Aquarell, Pastell, Ölkreide, Buntstift, Mischtechnik und in Freskotechnik, Kitzbühel 2025, Nr. 269, Abb. S. 364

Das Bild ist mit der Nummer D-ST-139 im Werksarchiv von Alfons Walde registriert.

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
erzielter Preis: € 167.000 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 125.000
Auktion ist beendet.

Für seine Milieuschilderungen des bäuerlichen Lebens in Tirol wählt Alfons Walde bevorzugt Motive aus dem Themenkreis der Sonntags- und Feiertagsstimmung. Das 1912 datierte Bild trägt rückseitig den Titel "Die Godl". Es handelt sich um eine frühe Version eines eher selten von Walde aufgegriffenen Bildsujets. Dargestellt ist eine Szene aus der bäuerlichen Festtagstradition und des kirchlich geprägten vorösterlichen Brauchtums: in engem Bildausschnitt zeigt uns der Maler eine Kirchgängerin in Festtagskleidung, am Weg zur Messe oder Palmprozession, in Begleitung ihrer zwei Patenkinder, die große Palmbrezen tragen. Die Brezen, ein leicht süßes Gebäck aus Hefeteig, gehören traditionell in die Osterwoche. Sie werden - vielerorts auch heute noch - am Palmsonntag gebacken und zieren manchmal die Gebinde der Palmbuschen. Nach lokaler Tradition werden sie vor allem von der Patentante - im Tiroler Dialekt "Godl" genannt - an die Kinder verschenkt und dürfen nach der Palmweihe als Glücksbringer und österlicher Vorgeschmack verspeist werden.
(Claudia Mörth-Gasser)