1531
Carl Fahringer
(Wiener Neustadt 1874 - 1952 Wien)
„Eine Vision des Propheten Mohammed“
1911
Öl auf Leinwand; gerahmt
210 x 190 cm
Signiert rechts unten: C. Fahringer
Künstlerhaus-Etikett rückseitig am Keilrahmen: 1912/1513 (von Herrn Nikolaus Domes, Künstlerhaus Archiv Wien, bestätigt)
Provenienz
Privatbesitz, Paris;
Privatbesitz, Belgien
Ausstellung
1911 Wien, Künstlerhaus, Jubiläums-Ausstellung Künstlerhaus Wien 1911, 18.03.-31.05., Nr. 115
Literatur
Jubiläums-Ausstellung Künstlerhaus Wien 1911 (Kat. Ausst., Künstlerhaus, Wien), Wien 1911, S. 45, Nr. 115;
Karl Kuzmany, Die Jubiläumsausstellung im Wiener Künstlerhause, in: Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, München 1911, Heft 22, s/w-Abb. S. 510
Schätzpreis: € 50.000 - 100.000
erzielter Preis: € 65.000 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 50.000
Auktion ist beendet.
Als Carl Fahringer 1911 sein monumentales Gemälde "Eine Vision des Propheten Mohammed" in der Jubiläums-Ausstellung des Wiener Künstlerhauses „1861-1911“ präsentierte, sorgte er damit für Aufsehen. Inmitten einer Schau, die das fünfzigjährige Bestehen der Künstlervereinigung feierte, stach sein Gemälde durch seine einzigartige Thematik hervor. Noch im selben Jahr verlieh man dem Künstler dafür die „Kleine goldene Staatsmedaille“, eine Auszeichnung von hohem Rang.
Die Komposition ist von seltener Eindringlichkeit. Der Prophet Mohammed erscheint lebensgroß im Zentrum der Leinwand, seine Handflächen offen, den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen. Der Erzengel Gabriel in weiblicher Gestalt, nur zart umhüllt in transparentem Kleid – als Überbringer(in) der göttlichen Botschaft im dargestellten Augenblick der Offenbarung - neigt sich zu Mohammed herab. Zu seinen Füßen ruhen die Gefährten. Während ein einzelner Jünger im Vordergrund knieend, ins Gebet versunken Anteil nimmt, schließt ein weiterer Gefährte, auf seinem Kamel sitzend, die nach rechts oben diagonal verlaufende figurale Komposition ab und führt den Blick der Betrachter*innen in die Weite der Wüste. Fahringers Malweise, die leuchtende Farbigkeit und die atmosphärische Lichtführung verleihen der Szene visionäre Intensität.
Der Künstler verband in diesem Gemälde persönliche Eindrücke seiner Reisen nach Ägypten und in den Orient mit seiner Leidenschaft für exotische Tierdarstellungen.
Die realistische Präsenz der Kamele und der Kleidung der Dargestellten verleiht diesem Sujet besondere Authentizität, während die spirituelle Dimension des Geschehens weit über das damals beliebte Genre des Orientalismus hinausgeht. Zweifelsohne ist der Künstler von der islamischen Ikonografie Mohammeds in zahlreichen Miniaturen inspiriert und übernimmt die blauen Kleider, den Turban und einen gepflegten Bart für dessen Darstellung. Das Motiv des transparent verschleierten, weiblich personifizierten Engels ist auch in Darstellungen von Fahringers Lehrer in München, Carl von Marr, zu finden.
Das frühe Monumentalwerk Fahringers vereint malerische Virtuosität, ikonografische Tiefe und kulturhistorische Besonderheit.
(Valerie Pauß)


