1076
Jan Brueghel der Ältere Umkreis
(Brüssel 1568 - 1625 Antwerpen)
„Die vier Jahreszeiten - Frühling (Flusslandschaft mit vornehmer Gesellschaft im Boot), Sommer (Die Ernte), Herbst (Belebte Landstrasse mit Wirtshaus), Winter (Römischer Karneval)“
Öl auf Kupfer (Tondo); gerahmt
je ca. 12,5 cm
Rückseitig jeweils die Schlagmarke des Kupferplattenherstellers Pieter Stas mit der Hand von Antwerpen
Provenienz
Auktionshaus im Kinsky, Wien, 6. April 2006, Lot 432;
deutsche Privatsammlung
Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
erzielter Preis: € 36.500 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 28.000
Auktion ist beendet.
Der vorliegende Zyklus entfaltet den Jahreslauf als Abfolge von Gesellschaftsszenen, in denen allegorische Motive und erzählerisch nuancierte Details eine vielschichtige Bildhandlung konstituieren. Jan Brueghel der Ältere erschuf seine Kompositionen der Jahreszeitenallegorien um das Jahr 1594 (vgl. Klaus Ertz & Christa Nitze-Ertz, Jan Brueghel d. Ä., Die Gemälde Band III, S. 1095-1101, Kat. 525, 526, 527 und 528). Die dokumentierten vier kleinen Gemälde, welche in den Maßen nahezu den vorliegenden Werken entsprechen, wurden jedoch über die Jahrhunderte hinweg getrennt und befinden sich heute in zwei verschiedenen Museen: „Belebte Landstraße mit Wirtshaus“ und „Flusslandschaft mit vornehmer Gesellschaft im Boot“ (Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum, Landesgalerie, Inv.-Nr. KM 142 & KM 143), „Die Ernte“ und „Römischer Karneval“ (München Bayrische Staatsgemälde Sammlung, Alte Pinakothek, Inv.-Nr. 4911 & 1991).
Dass die vorliegenden vier runden Kupfertafeln im nächsten zeitlichen und örtlichen Umkreis von Jan Brueghel d. Ä. entstanden sein müssen, wird durch die rückseitigen Schlagmarken unterstrichen. Der Kupferplattenhersteller Pieter Stas war um 1587 bis 1610 in Antwerpen tätig und lieferte für zahlreiche Werke der Brueghel-Werkstatt den Bildträger.
Im Frühling begegnen sich vornehme Paare zu einer Bootspartie, begleitet von Musik und von einer Etikette geprägten Umgangsformen, während im Mittelgrund der Bauer mit Pflug und Saat den Neubeginn des Jahres unterstreicht. Der Sommer erscheint in der Allegorie der Ernte: Rastende Bauern im Vordergrund kontrastieren mit den Schnittern im Feld und spiegeln Fülle wie Erschöpfung. Der Herbst belebt eine Landstraße mit Wirtshaus; flankierend treten kleinfigurige Szenen der Apfelernte und des Viehtriebs hinzu, die den Zyklus der bäuerlichen Arbeit fortschreiben. Der Winter schließlich findet seine Allegorie im Karneval, dessen ausgelassenes Treiben seit dem 16. Jahrhundert ein zentrales Motiv niederländischer Kunst darstellt.









