1063
Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt) und Werkstatt
(Grafenwörth 1718 - 1801 Stein)
„Die Heilige Sippe“
1770er Jahre
Öl auf Leinwand; geschwungener Abschluss am oberen Rand; gerahmt
187 x 123 cm
Undeutlich signiert und datiert links unten: …17(7…)
Provenienz
Privatbesitz, Österreich
Wir danken Dr. Georg Lechner, Belvedere, Wien, für seine Hilfe bei der Katalogisierung.
Schätzpreis: € 8.000 - 16.000
erzielter Preis: € 13.000 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 10.000
Auktion ist beendet.
Die Darstellung der „Heiligen Sippe“ gehört zu den zentralen Themen im Œuvre Martin Johann Schmidts. Im Unterschied zur „Heiligen Familie“ weitet sich hier der Kreis über Christus und seine Eltern hinaus auf weitere Verwandte aus. Als dieses Werk entstand, war Schmidt bereits ein angesehener, etablierter Maler mit eigener Werkstatt und Mitarbeitern. Die locker aufgesetzten, fast skizzenhaften Höhungen in Gesichtern und Gewändern verweisen jedoch auch auf die unmittelbare Beteiligung des Meisters selbst. Charakteristisch ist zudem das warme, dämmrige Licht, das die Szene durchzieht, zugleich lassen sich bereits Anklänge an die kräftigere Farbigkeit seiner späteren Werke erkennen.
Das Bild diente vermutlich als privates Andachtsbild, könnte aber ebenso für eine Seitenkapelle bestimmt gewesen sein, dort wechselten Bildprogramme häufig. Vergleichbare Kompositionen finden sich in mehreren österreichischen Kirchen. So zeigt etwa die beliebte „Heilige Familie“ in St. Peter in Salzburg eine ähnliche Figurenordnung im gleichen sanften, warmen Licht (vgl. Rupert Feuchtmüller, Der Kremser Schmidt. 1718-1801, Innsbruck/Wien 1989, WVZ-Nr. 544). Auch das Christuskind erinnert an die Gestalt in Schmidts „Kräfte der Engel“ von 1773 im Stift Melk (Feuchtmüller 1989, WVZ-Nr. 433): Dort blickt es auf emporstrebende Engel herab, hier hingegen wendet es sich dem kleinen Johannesknaben zu, der von seiner Mutter Elisabeth begleitet wird.
Die Aufmerksamkeit der Figuren gilt nicht allein Christus in der Mitte der Komposition, einige richten ihre Blicke in göttlicher Ekstase gen Himmel. Die Familie bekrönt der Heilige Geist, der in Gestalt einer weißen Taube über der Szene schwebt – ein ikonographisches Motiv, das Schmidt immer wieder wirkungsvoll einsetzte. Das Gemälde vereint intime Andacht mit repräsentativer Strahlkraft und bietet zugleich ein eindrucksvolles Beispiel von Schmidts ausgereifter Malerei und seiner gefragten Werkstattpraxis.


