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Salomon van Ruysdael
(Haarlem um 1601 - 1670 Haarlem)
„Landschaft mit Reitern (Raubzug)“
1660
Öl auf Leinwand; gerahmt
60 x 82,5 cm
Signiert und datiert am unteren Rand mittig: SVRuysdael / 1660 (SVR in Ligatur)
Provenienz
Versteigerung in Amsterdam 13. Juni 1770;
Versteigerung der Sammlung Pieter Locquet in Amsterdam 22. September 1783, Nr. 320;
Versteigerung Amsterdam 13. Juli 1812;
Kunstsalon Keller und Reiner, Berlin, Versteigerung der Sammlung Paul Mersch (Paris) 1.-2. März 1905, Nr. 63, Taf. 17;
Galerie Georges Petit, Paris, Versteigerung der Sammlung Maurice Kann 9. Juni 1911, Nr. 96;
Galerie Thomas Agnew, London 1957;
Kunsthandel J. R. Bier, Haarlem, Kat. 1960, Nr. 21;
Kunsthandlung Nijstad, den Haag 1964;
Privatbesitz, Österreich
Ausstellung
Tokio, 19. Okt. - 22. Dez. 1968, Nationalmuseum für westliche Kunst, Nr. 58
Literatur
Wolfgang Stechow, Salomon van Ruysdael. Eine Einführung in seine Kunst. Mit kritischem Katalog der Gemälde, Berlin 1975², S. 87, Nr. 128;
Wolfgang Stechow, Salomon van Ruysdael. Eine Einführung in seine Kunst. Mit einem kritischen Katalog der Gemälde, Berlin 1938 , S. 82, Nr. 128
Schätzpreis: € 18.000 - 36.000
erzielter Preis: € 25.600 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 20.000
Auktion ist beendet.
In diesem malerischen Landschaftsgemälde aus dem Jahr 1660 wird eine kleine Gruppe von Kühen einen überschwemmten Weg entlang getrieben. An ihrer Spitze drei Reiter, welche zwei gefangengenommene Bauern mit sich führen – die ihnen abgenommene Herde wird von zwei weiteren Soldaten zusammengehalten. Die Szenerie zeigt damit auch als historisches Dokument gesellschaftliche Probleme seiner Zeit auf und veranlasste in der Vergangenheit dazu, das auf den ersten Blick so idyllisch anmutende Werk unter der Thematik des "Raubzugs" zu verzeichnen. Ein weiteres vergleichbares Werk Ruysdaels zeigt von Soldaten gehütete „Kühe an der Tränke“ und ist 1656 datiert. (vgl. Stechow 1975, Nr. 123A)
Eines der Rinder hat den Kopf gebeugt, um aus der Lache zu trinken. Das Wasser selbst reflektiert die Lichtstrahlen des von Sonne und Wolken durchzogenen Himmels und spiegelt gekonnt die Silhouetten der am Rande vorbeiziehenden Tiere wider. Im linken Mittelgrund ist ein weiterer von zwei Reitern angeführter Viehzug zu erkennen. Die den Weg säumenden Bäume geben den Blick auf eine große Dorfkirche mit quadratischem Turm im Hintergrund frei – die Lokalität wurde im Katalog von 1770 als die heutige Stadt Wassenaar verortet.
Vor dem typischen, niedrig angesetzten Horizont zeigt die Landschaft die stilistische Entwicklung Salomon van Ruysdaels in dessen Spätwerk: Im Gegensatz zur tonalen Malerei der 1630er Jahre, beginnt er, kontrastreichere Farben zu verwenden und den Bildraum mit expressiveren Elementen zu füllen. Beispielsweise wird der Himmel in satteren und tieferen Blautönen dargestellt, mit voluminösen Elementen wie den Bäumen modelliert er den Mittel- und Vordergrund der Komposition. Außerdem wird sein Pinselstrich breiter und rauer, was den späten Gemälden einen dramatischeren, empfindungsvollen Charakter verleiht.

