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Sebastian Isepp*
(Nötsch im Gailtal 1884 - 1954 London)
„Nadelbäume im Schnee“
um 1910
Öl auf Leinwand; gerahmt
79,5 x 97,5 cm
Rückseitig auf Etikett eigenhändig bezeichnet: Sebastian Isepp / Wald - Öl auf Lwd. / erworben von Frau Eli Prohaska-Romanic (?) / der es vom Maler geschenkt worden / ist / um 1910
Provenienz
vom Künstler als Geschenk erhalten, Privatbesitz;
Erhard Buschbeck, Wien;
Privatbesitz, Österreich
Literatur
Gerbert Frodl (Hg.)/Elisabeth Brandstötter (Hg.), Sebastian Isepp, Salzburg 2006, WVSI 60, S. 82 (mit s/w-Abb.)
Schätzpreis: € 35.000 - 70.000
erzielter Preis: € 58.080 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 44.000
Auktion ist beendet.
Selten hat sich ein österreichischer Maler des beginnenden 20. Jahrhunderts so eingehend und radikal mit der künstlerischen Erfassung von einsamen Bachufern, abgeschiedenen Waldinneren, bewachsenen Böschungen und ungewöhnlichen Felslandschaften beschäftigt wie Sebastian Isepp. Diesen in der Kunst seiner Zeit eher unüblichen Motiven begegnete der Maler auf seinen Wanderungen rund um seinen Heimatort Nötsch, welcher im Gailtal am Fuß der Villacher Alpe liegt, deren letzter Ausläufer, das imposante Massiv des Dobratsch, dieser Gegend ihre markante Erscheinung verleiht. Aufgrund mehrerer, historischer Bergstürze an der Südflanke des Gebirges, hat sich im Lauf von Jahrhunderten durch die herabgekommenen Gesteinsmassen ein charakteristischer Landschaftsraum entwickelt, der durch bizarre Felsformationen, Geröllhalden und Latschengebüschen sowie Kiefern- und Laubwäldern geprägt ist und sich durch eine besondere Vielfalt von spezifischen Pflanzen und Tieren auszeichnet. Dieses große Ablagerungsgebiet, die sogenannte „Schütt“, erstreckt sich von Saak im Westen von Nötsch bis nach Villach-Warmbad im Osten und bot Isepp eine reiche künstlerische Inspirationsquelle für viele seiner Landschaftsbilder.
Auch das Werk „Nadelbäume im Schnee“ weist in seinem Sujet auf jene spezielle Topografie hin und zeigt mit dynamisch gesetzten Pinselschwüngen ein mit mehreren Jungbäumen bedecktes, karges Waldterrain in formelhafter Darstellungsweise. Der Künstler verzichtet dabei auf eine detaillierte Modellierung der einzelnen Bildgegenstände und reduziert die sanften, horizontalen Bodenwellen auf weiche konturlose, übereinander geschichtete Farbflächen, von denen sich der vertikal emporragende Baumbewuchs kontrastreich abhebt. Vor allem beeindruckt das Gemälde aber durch seine außergewöhnliche, brillante Farbigkeit. Einfallendes Sonnenlicht lässt den teils von Schnee bedeckten Boden in intensiven Orange- und Rosatönen leuchten und verwandelt das unspektakuläre Motiv in ein spannungsreiches Farbenspiel. Sebastian Isepp hat in diesem Werk seinen persönlichen, subjektiven Blick auf eine ihm sehr vertraute Landschaft wiedergegeben, den er durch den Einsatz expressiver Gestaltungsmittel wie beispielsweise der Betonung des Eigenwerts der Farbe, einem skizzenhaften, gestischen Malstil und einer zunehmenden Abstrahierung der Erscheinungsformen künstlerisch souverän umgesetzt hat.
(Sigrid Diewald)


