Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

19. Juni 2024, 14:00 Uhr

3055

Tiziano Vecellio, genannt Tizian, Nachfolger

(Pieve di Cadore um 1490 - 1576 Venedig)

„Venus von Urbino“
16. Jahrhundert
Öl auf Leinwand; gerahmt
121,5 x 170,5 cm

Provenienz

Privatsammlung, Österreich

Bericht über die Maltechnische Untersuchung, Prof. Dr. Franz Mairinger, Wien, 14. September 2001, liegt bei (in Kopie): "Die verwendeten Materialien, der Typ der Grundierung und der Malaufbau des Gemäldes sprechen meiner Meinung nach für eine Entstehung in der zweiten Hälfte des 16. Jh. und stimmen somit der stilkritischen Datierung des Gemäldes überein."

Schätzpreis: € 6.000 - 12.000
erzielter Preis: € 6.750 (inkl. Gebühren und österreichischer MwSt.)
Meistbot: € 5.000
Auktion ist beendet.

Bei dem vorliegenden Gemälde handelt es sich um eine fast größenidente, ausgezeichnete und sehr frühe Wiederholung von Tizians 1538 geschaffener „Venus von Urbino“, welche sich heute als eines der populärsten Meisterwerke in den Uffizien, Florenz, befindet (Öl auf Leinwand, 119 x 165 cm, Inv. Nr. 1437).
Das Bildnis der jungen Frau wurde in der Kunstgeschichte über die Jahrhunderte auf verschiedenste Weise interpretiert. Eine beliebte Deutung sieht die emblematische Figur einer jungen Braut, die im Begriff ist, sich zur Feier eines venezianischen Hochzeitsrituals, genannt "il toccamano" zu kleiden. Dabei handelt es sich um eine Zeremonie, bei der die junge Frau, um deren Hand angehalten wird, die Hand des Bräutigams berührt, um ihre Zustimmung zu bekunden. Im Hintergrund sind ihre beiden Zofen zu sehen, von denen eine bereits das prächtige, gold- und hellblaue Kleid über der Schulter trägt.
Tizian ließ sich möglicherweise von dieser Zeremonie zu dieser Darstellung der verführerischen Venus inspirieren, deren Ikonographie in der Frührenaissance begann und sich an der antiken Darstellung der "Venus pudica" orientiert.
Die Komposition zählt unumstritten zu den maßgeblichsten Werken der Renaissancemalerei und prägte die Kunstwelt über Jahrhunderte. Für viele nachfolgende Bilder der westlichen Kunst gilt Tizians kühne Darstellung weiblicher Sinnlichkeit als Ursprung, etwa für Francisco de Goyas „Nackte Maja“ (ca. 1797, Museo del Prado, Madrid, Inv. Nr. P000742) oder Edouard Manets „Olympia“ (1863, Musée d’Orsay, Paris, Inv. Nr. 712).