Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2020, 17:00 Uhr

1657

Markus Prachensky*

(1932, Innsbruck - 2011, Wien)

„Hongkong Ramble II“
2000
Acryl auf Leinwand; gerahmt
156 x 116 cm
Signiert und datiert rechts unten: Prachensky 00
Rückseitig signiert, datiert und bezeichnet: Markus Prachensky 2000 Hongkong Ramble 2000

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

€ 36.000

Zweimal besucht Markus Prachensky die Metropole Hongkong, auf seiner ersten Asienreise 1996 und ein zweites Mal im Jahr 1999. Im Anschluss daran entsteht 2000 die Serie „Hongkong Ramble“. Der zweite Teil des Titels dieser Werkfolge bezieht sich auf jene Musik, die während der Arbeit im Atelier des Künstlers zu hören war, auf jene der New Orleans Street Bands und auf Songs wie „Oh didn’t he ramble“. In der Originalkomposition von 1902, wurde dieses Lied von Jazzlegenden wie Jelly Roll Morton oder Louis Armstrong neu interpretiert und weltbekannt. Viele Bildtitel Prachenskys verweisen somit nicht nur auf den Ort, an dem er sich Anregungen für seine Bilder holt, sondern auch auf musikalische Inspirationsquellen. Das kann klassische Musik ebenso sein (Umbria Cantata, Umbria Quartetto) wie Jazzmusik (Campania Shuffle, Luxor Swing) oder Blues (Etruria Blues).

Die Skyline von Hongkong mit den am Wasser des Pearl-River Delta hochragenden Wolkenkratzern muss den Künstler sehr beeindruckt haben. Hier ragen hunderte Hochhäuser dicht aneinander gereiht in den Himmel, in keiner anderen Stadt weltweit gibt es mehr Gebäude mit einer Höhe von über hundertfünfzig Metern als in Hongkong. So wird auch „Hongkong Ramble“ von einer architektonischen Form beherrscht, die aus horizontalen, vertikalen und schräggestellten Balken gebildet wird und in leuchtendem Orange fest im Bild verankert ist. Am unteren Rand ragen violette, bogenförmige Pinselstriche in das Fundament der orangen „Architektur“, Sinnbild für das an die Ufer der Hafenbecken klatschende Wasser des Südchinesischen Meeres. Die nach oben wild wegspritzende Farbe kann mit der Gischt der Brandung assoziiert werden. Sie ist Zeuge einer höchst ausgefeilten Technik, die Prachensky im Laufe der Jahre immer mehr perfektioniert hat. Nichts ist dabei dem Zufall überlassen, alles „längst vor der Bildwerdung ein Teil der Planung; dass dann die Hand den vollen Pinsel einen Moment lang fester auf- und damit ausdrückt oder ihn, durch ein Zucken aus dem Handgelenk, Protuberanzen aufschleudern lässt“ (Markus Prachensky, Ausstellungskatalog, Willy-Brandt-Haus, Berlin, Galerie Georg Nothelfer, Berlin, Galerie Ulysses, Wien 2000/2001, S. 21). All das wir schon vorher durch die variierende Viskosität der Farbe gezielt gesteuert, festgelegt und bedacht. „Die Eigenmächtigkeit der Farbe und das Zufällige am Ergebnis der Ausbrüche bleiben immer unter meiner Aufsicht“, erklärt der Künstler und, „was immer die Farbe als ihr Eigenes birgt und entäussert, muss zusammengehen mit meiner Hand“ (Markus Prachensky in: Markus Prachensky. Eine Retrospektive, Ausstellungskatalog, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2002, S. 30).

Treffend fasst es Klaus Albrecht Schröder im Vorwort des Ausstellungkataloges der Albertina zum 85. Geburtstag des Künstlers zusammen: „Von allen österreichischen Malern seiner Generation ist Prachensky wahrscheinlich der musikalischste... Der Zusammenklang und Rhythmus der distinkt bleibenden Farbbahnen, die unterschiedliche Verdichtung sowie der Gegensatz von hellen und dunklen Werten schaffen einen energiegeladenen Stimmungsraum, der weit über die Grenzen des Malgrundes hinaus klingt.“ (Antonia Hoerschelmann, Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Markus Prachensky. Eine Hommage, Ausstellungskatalog, Albertina, Wien 2017, S. 8)

(Sophie Cieslar)