Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2020, 17:00 Uhr

1682

Wolfgang Hutter*

(1928, Wien - 2014, Wien)

„Ein Sonnenuntergang“
1985
Öl auf Hartfaserplatte; gerahmt
116 x 300 cm
Signiert und datiert rechts unten: Hutter 85

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Literatur

Peter Infeld Privatstiftung (Hg.), Wolfgang Hutter, Wien 2005, S. 74 und 75.

€ 75.000

Hutters Motive, wie auch das vorliegende, haben häufig etwas sehr Bühnenhaftes – nicht zuletzt seinen zahlreichen Aufträgen für Bühnenbilder zuzuschreiben. Nachdem ihm jedoch klargeworden war, dass sich Gestik, Wort und Sprache der Schauspieler nicht dem Bild unterordnen können, sondern sich das Bild vielmehr dem Theater anpassen muss, bezeichnete er seine Beziehung zum Theater später als „Hassliebe“ – eine Tatsache, die aber der Intention seiner Kunst zuwiderlief.

„Unter den Malern der Wiener Phantasiekunst ist Hutter der Wienerischste. Im Schaugepräge seiner Bilder fabuliert die jahrhundertealte Vorliebe des Wieners fürs theatralische Spektakel. Seine Malerei verquickt denn auch Zauberstück und Maschinenkomödie, Surrealismus und Schäferei. (…) Hutter erspart sich und dem, der sich seiner Sehweise anvertraut, kein Blumenblatt seiner vielblütenblättrigen Phantasieblumen und keine Feder seiner komplizierten Fiederungen. Was auf das Bild soll, wird unerbittlich ausgemalt, der zeitgemäße horror vacui mit kompliziert ziselierten Figuren und ihren phantasiekünstlerischen Zugaben ausgetrieben. Bunte Schuppen schlichten sich kleidsam, Gräser bilden eine hübsche Schanze. Der Blick ins Ungewisse geht durch ein Blumenfenster.“ schreibt der Kunsthistoriker Otto Breicha über Hutters Werk (Otto Breicha, Wolfgang Hutters Bildtheater, in: Otto Breicha, Wolfgang Hutter, Malerei und Zeichnung, Schriften zu Kunst und Umwelt, Essay und Werkkatalog, Wien/München 1977, S 29.).

Die märchenartige Szenerie beschreibt der Maler selbst als Berichte aus den täglichen Reisen in die eigene Phantasie: „Berichte aus einer Welt, in der eine eigenartige Form der Liebe herrscht. Sie ist nicht allein den menschlichen Figuren möglich, sondern auch Steine oder Blüten können sich vereinen und Erstaunliches gebären. Es herrscht eine Metamorphose des Wachtraumes. (…) Auf keinen Fall eine Malerei, die ein philosophisches Ziel hat, weder verbessern will, noch einen Spiegel vorhalten. Sie soll dort leben, wo Werte nicht zum Geschäft gemacht werden, sondern in jenen ideellen Räumen, wo das Wort Liebe ohne Zwang und Angst ausgesprochen werden kann.“ (Wolfgang Hutter, Eine Welt der Rätsel und des Eros, in: Otto Breicha, Wolfgang Hutter, Malerei und Zeichnung, Schriften zu Kunst und Umwelt, Essay und Werkkatalog, Wien/München 1977, S 44.) Seit 1966 lehrte Wolfgang Hutter an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, deren Meisterklasse für Malerei er von 1967 bis zu seine Emeritierung 1997 leitete. Zu seinen Schüler zählen Gabi Trinkaus, Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Marion Elias, René Fehr-Biscioni, Robert Freiberg, Jutta Hölzenbein, Hans Jöchl, Peter Maler, Michaela Spiegel und Jolanda Richter. Nachdem sich der Publikumsgeschmack viele Jahre von den Bildern der Phantastischen Realisten abgewandt hatte, verzeichnen Hutters Bilder am Kunstmarkt nun wieder große Erfolge.
(Ina Waldstein)