Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

1318

Otto Rudolf Schatz*

(Wien 1900 - 1961 Wien)

„Lusthaus im Prater mit Tram“
1926
Öl auf Holz
91 x 121 cm

Provenienz

Josef Luitpold Stern (1886-1966), Wien, als Geschenk vom Künstler erhalten;
Sammlung Prof. Dr. Wilfried Daim, Wien (erworben vom Sohn von Josef Luitpold Stern);
Auktionshaus im Kinsky, 17.06.2008, Nr. 119;
seither europäische Privatsammlung

Ausstellung

1984 Wien und Bregenz, Künstlerhaus/MAK und Palais Thurn und Taxis, Abbild und Emotion, 05.06.-08.07.;
1995 Wien, Bank Austria Kunstforum, Neue Sachlichkeit, 01.04-02.07.;
2013/14 Wien, Österreichische Galerie Belvedere, Wien-Berlin, 4.10.2013-27.01.2014;
2016 Wien, Wien Museum, Otto Rudolf Schatz & Carry Hauser, Im Zeitalter der Extreme, 28.01.-15.05.

Literatur

Abbild und Emotion, Österreichischer Realismus 1914-1944, Katalog Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien und Bregenz 1984, S. 88, Kat. 80 (Abb.);
Klaus Schröder (Hg.), Neue Sachlichkeit. Österreich 1918-1938, Katalog Kunstforum Bank Austria, Wien 1995, S. 38ff und 86 (Abb.), Kat. 10;
Katalog Galerie und Auktionshaus Hassfurther, Wien, 27.05.1999, Nr. 27;
Dietrich Kraft, Matthias Boeckl, Otto Rudolf Schatz 1900 - 1961, mit einem vorläufigen Werkverzeichnis, Weitra 2010, S. 202, Abb. S. 92;
Agnes Husslein-Arco (Hg.), Wien-Berlin. Kunst zweier Metropolen, Katalog Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2013, S. 341, Abb. 4;
Ralph Gleis (Hg.), Otto Rudolf Schatz & Carry Hauser. Im Zeitalter der Extreme, Katalog Wien Museum, Wien 2016, S. 111, Kat. 2.75 (Abb.);
Cornelia Cabuk, O. R. Schatz. Monografie und Werkverzeichnis, Wien 2018, M 1926 4, Abb. S. 140

€ 110.000

"... Seine Kompositvedute 'Im Prater - Um das Lusthaus' von 1926 wertet die einstmals idyllischen Motive überschaubarer Dörflichkeit an der Grenze zwischen Stadt und Nicht-Stadt um. Die inkohärenten Fluchtlinien der linken und der rechten Straßenseiten, die weder der Bodenerstreckung noch der frontalen Ansicht der Gebäude am nahen Horizont korrespondieren, stören die Ruhe: Kein Mensch ist auf der Straße, kein Leben regt sich in dieser trostlosen Stadtrandidylle, einer negativen Idylle. ...
Die Fassaden (dieser "spielzeugartigen Bauklötzchenwelt") sind glatt, sauber, präzise, ohne Zeichen des Alterns, nichts bröckelt ab, nirgends finden sich Spuren der Geschichte, des Wetters, der Vergänglichkeit, des Lebens. Die miniaturartigen Größenverhältnisse sind analog den Kinder-Backsteinhäuschen.
Mit der beginnenden Neuen Sachlichkeit in Österreich ab der Mitte der zwanziger Jahre determiniert diese naive, kindliche Sicht auf die "Spielzeugwelt" auch die Landschaften und Interieurs von Franz Sedlacek bis Rudolf Wacker. Letzten Endes ist es eine Interpretation der Welt als Stilleben. Häuser aus Bauklötzchen, Dinge als Spielzeug, die Welt als kindliches Panoptikum. ..."
(Klaus Albrecht Schröder, Die Welt aus dem Baukasten, in: Neue Sachlichkeit. Österreich 1918-1938, Katalog Kunstforum Bank Austria, Wien 1995, S. 38)