Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

1497

Norbertine Bresslern-Roth*

(1891, Graz - 1978, Graz)

„Wasserwolf“
1939
Öl auf Jute
70 x 70 cm
Signiert links oben: Br.Roth
Rückseitig am Keilrahmen eigenhändig bezeichnet: "Wasserwolf", Öl / N. v. Bresslern-Roth, Graz
Originalrahmen

Provenienz

direkt von der Künstlerin erworben;
seither Privatbesitz Steiermark

Literatur

Helene Martischnig, Norbertine Bresslern-Roth (1891-1978). Das malerische Werk, Dipl.-Arb., Graz 1994, Abb. 121;
Christa Steinle (Hg.), Norbertine Bresslern-Roth. Tiermalerin, Ausstellungskatalog Neue Galerie Graz Universalmuseum Joanneum, 26.10.2016-17.04.2017, Graz 2016, WVG 175 (o. Abb.)

€ 41.000

„Sicher einen großen Einfluss auf meine Malerei hat auch der Garten gehabt. Wir haben damals in Graz in der Mandellstraße gewohnt, [...] wo ein Springbrunnen war, der für mich ein ganz besonderes Erlebnis war. Dort konnte ich stundenlang träumerisch sitzen und habe die Tiere angeschaut. Es waren Fische drinnen und Wasserkäfer und grüne Algen, und das war halt ganz herrlich.“ erzählte Norbertine Bresslern-Roth in einem Interview mit Trude Aldrian, der ehemaligen Leiterin der Neuen Galerie Graz. Bereits in ihrer Kindheit hatte sie ein Band mit den Tieren geknüpft, welches zeitlebens nicht reißen sollte. In der mütterlichen Wohnung wurden Aquarien und Terrarien aufgestellt, um Tiere zu beobachten und zu skizzieren. Diese Arbeitsweise behielt Bresslern-Roth auch später noch bei.
Ihr erster Lehrer war Alfred Schrötter-Kristelli, der sie ab 1901 privat und dann an der Steiermärkischen Landeskunstschule in Graz kostenlos unterrichtete. Aufgrund seiner Vermittlung gelangte sie während der Sommermonate zwischen 1907 und 1911 an die Tier- und Landschaftsmalschule zu Hans von Hayek in Dachau. 1911 vermittelte sie Schrötter-Kristelli an Ferdinand Schmutzer an die Kunstakademie in Wien. Gab es in Dachau einen Stall, wo Kühe, Schafe und Pferde untergebracht waren, so war es in Wien der Tierpark Schönbrunn, wo Bresslern-Roth ihre Skizzen vom lebenden Objekt nahm. Durch beharrliche Übung und zahlreiche Studien präzisierte sie Anatomie und Bewegung ihrer Modelle.
Die Kompositionen zeugen vom tiefen Verständnis der Künstlerin für die Welt der Tiere.
Typische Eigenschaften einzelner Arten werden herausgearbeitet und thematisch aufgeladen. So gelang es Bresslern-Roth auch im vorliegenden Gemälde zwei Welten miteinander zu vereinen: Einerseits die Wasseroberfläche, die Ruhe und blumige Schönheit ausstrahlt. Reduktion und klare Konturen stehen einer Fülle an Farbnuancen gegenüber, die von Grün über Blau bis Ocker reicht. Konträr ist die andere Welt, welche die Künstlerin unter der Transparenz der Wasseroberfläche zeigt. Die dunkle Trübheit und eingeschränkte Farbskala gibt die gefährlich anmutende Welt unter Wasser wieder. Dort liegt der Hecht – der Wasserwolf – auf der Lauer. Auf den ersten Blick ist der Raubfisch kaum sichtbar. Jenseits der Oberfläche scheint er symbolisch für das Unbewusste zu stehen.
(Petra Hammer-Maier)