Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

15. Dezember 2020, 15:00 Uhr

0031

Domenico Maria Canuti

(1625, Bologna - 1684, Bologna)

„Die mystische Vermählung der Hl. Katharina“
um 1670
Öl auf Leinwand
111 x 145 cm
Rückseitig Wachssiegel der Reale Accademia di Belle Arti di Venezia

Provenienz

deutsche Sammlung

Prof. Daniele Benati hat das Gemälde als Werk Domenico Maria Canutis bestätigt (ausführliches Schreiben, Bologna, 2. September 2019, liegt in Kopie bei). Wir danken Prof. Daniele Benati für seine Hilfe bei der Katalogisierung.

€ 24.000

Ins Licht des künstlerischen Spiels zwischen Hell und Dunkel getaucht, lehnt das Christuskind auf den Armen seiner Mutter. Katharina, in einen Damast-Umhang mit Pelzfutter gekleidet, berührt sanft die linken Finger des Kindes, während dieses bereits in der rechten Hand den Ring hält, der die mystische Hochzeit mit der Prinzessin von Alexandria besiegelt. Hinter Mariens Arm, der ihren Sohn stützt, verneigen sich zwei Engel. Das Gemälde strahlt im Ausdruck der Figuren eine innige Intimität aus, welche jedoch durch die gekonnte Beleuchtung auf eine höhere Ebene versetzt wird.

Der Künstler dieses berührenden Gemäldes ist Domenico Maria Canuti. 1620 in Bologna geboren, erhielt er nach dem Besuch des Gymnasiums und einer Goldschmiedelehre seine erste malerische Ausbildung bei Giovanni Battista Bertusi, wechselte aber schon bald ins Atelier des berühmten Francesco Albani. Das vorliegende Gemälde zeigt jedoch deutlich Canutis reifen Stil, in welchem er die für die Bologneser Schule des 17. Jahrhunderts typisch gewordene Idealisierung im Stile Albanis oder Guido Renis ablehnt und auf die barocken Effekte der Vorgängergeneration zurückgreift. Wie bereits Annibale Carracci um 1600 setzt Canuti in vorliegendem Werk auf sich vor dunklem Hintergrund abhebende, naturalistische Figuren, deren allein durch das Licht ihre Wirkung verliehen wird.

Eine dem vorliegenden Gemälde verwandte Komposition wurde in der Vergangenheit von Simoneta Stagni anhand von Fotos als Werk Domenico Maria Canutis publiziert (S. Stagni, Domenico Maria Canuti pittore (1626-1684), Rimini, 1988, S. 163-164, Nr. 26). Durch die Wiederentdeckung des vorliegenden Gemäldes bestätigt Prof. Benati jedoch eindeutig dessen Eigenhändigkeit als Urfassung und geht davon aus, dass es sich bei dem veröffentlichten Gemälde wohl um eine Kopie dieser Urkomposition Canutis handelt. Prof. Daniele Benati unterstreicht die Bestätigung Canutis in seiner ausführlichen Untersuchung unter anderem durch den Vergleich der hier vorliegenden „Mystischen Vermählung“ mit „Die Erziehung des Jesuskindes“ im Diözesanmuseum Imola (Stagni 1988, S. 145, Nr. 13). Weitere Beispiele nennt er aus der Zeit ab 1662, als Canuti bedeutende Aufträge für den Hof der Gonzaga in Mantua ausführte.