Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

25. Juni 2020, 17:00 Uhr

1529

Franz Grabmayr*

(Pfaffenberg b. Obervellach/Kärnten 1927 - 2015 Wien)

„Sandgrube“
2000
Öl auf Leinwand; ungerahmt
102 x 140 cm
Rückseitig monogrammiert und datiert: F. G / 2000

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Schätzpreis: € 18.000 - 35.000
Ergebnis: € 15.000*
unter Vorbehalt, Limit: € 26.000
Auktion ist beendet.

Grabmayrs glückliche Kindheit am Kärntner Land führte zu einer tiefen Naturverbundenheit und ist in seinen Bildern unmittelbar spürbar: Berge und Felsen, Wurzeln, alte Bäume, Kornmandeln und Sandgruben, Wasserfälle, Felsen und Flüsse sind seine Motive, für die er die Staffelei stets im Freien aufstellte. Dabei versuchte er nicht, die Natur möglichst vorbildgetreu abzubilden und in eine Form zu bringen, sondern vielmehr sein intuitives Erleben wieder zu geben, was er in einer eruptiven, eigenwilligen Maltechnik umsetzte. Dabei ist es vor allem sein virtuoser Umgang mit der Farbe, der seine Bilder charakterisiert. Auf starke Hanfsegel trug er – teilweise direkt aus der Tube – dicke Farbreliefs aus bis zu 60 kg reinem Pigment auf, die er mit Spachteln und breiten Pinseln bearbeitete. Besonders beeindruckend für Besucher war seine 80 x 120 cm große mobile Palette, die er auf einen Autoanhänger schweißte, um sie leichter um sein Motiv herum bewegen zu können. Dass die derart großzügig pastos aufgetragene Farbe sich nicht verselbstständigte und das Bild ins Chaos kippte war Grabmayrs Fingerspitzengefühl und Erfahrung zu verdanken. Dem Zufall wurde zwar ein gewisser Spielraum eingeräumt, doch nur in den von dem Künstler vorgegebenen Grenzen. „Es ist ein manifestieren der Energie, die einer Landschaft, einer Situation innewohnt. Sei es ein Felsen, ein Baumstumpf, eine Feuerstelle oder die Trance einer Tänzerin – seine Arbeit hat immer etwas Archaisches und erinnert eher an einen Schmied in der Bronzezeit, der der Natur mit Hilfe des Feuers Form abringt oder an einen Alchemisten des Mittelalters.“ (Klaus Albrecht Schröder, Franz Grabmayr, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2002).
Obwohl sich Grabmayr vom Ausstellungsbetrieb bewusst fernhielt, was zur Folge hatte, dass er lange größtenteils unbekannt blieb, zählt er heute zu den wichtigsten österreichischen Künstlern seiner Generation und wird als Vorläufer bzw. Vorbild der "jungen Wilden“ der 1980er Jahre, aber auch der Aktionisten gesehen. In seinen Bildern finden sich zahlreiche zum Teil bewusste, zum Teil zufällige Parallelen zu wichtigen Werken der zeitgenössischen Kunstgeschichte, wie Arbeiten Frank Auerbachs, Eugène Leroys, der Land-Art oder den Material-Bildern Anselm Kiefers.
(Ina Waldstein)