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Auktion: Alte Meister

23. Juni 2020, 15:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

0001

„Porträt eines Herren und einer Dame im Profil (Paar)“
um 1480
Öl/ Tempera auf Leinwand (von einer Holztafel übertragen)
je 36 x 30 cm

Provenienz

Sammlung Leo Nardus/ Arnold van Buuren Haarlem, 1940 von den Nationalsozialisten enteignet;
Bankhaus Lippmann, Rosenthal & Co, Amsterdam;
Versteigerung S. J. Mak van Waay, Amsterdam 29. Juni 1943, Lot 18 (als Florentinische Schule);
Tromp van Holst, Amsterdam;
1951 Bureau for Restoration Payments and the Restoration of Property of the Ministry of Finance (Hergo);
Nederlands Kunstbezit-Collectie (Inventar-Nr. NK 2894 & NK 2895);
Leihgabe im Institut für Kunstgeschichte, Groningen;
1987-2009 Dauerleihgabe im Bonnefantenmuseum, Maastricht;
2009 an die Erben der Familie Nardus restituiert

Literatur

Christopher Wright, Paintings in Dutch Museums, An Index of Oil Paintings in Public Collections in the Netherlands by Artists born before 1870, London, 1980, S. 197;
Old Master Paintings: an illustrated summary catalogue (Rijksdienst Beeldende Kunst = The Netherlands Office for Fine Arts, Den Haag), Zwolle 1992, Nr. 2971;
C. E. de Jong-Janssen u.a., Catalogue of the Italian paintings in the Bonnefantenmuseum, Maastricht 1995, S. 138, Abb. 67 & 68

€ 12.000

Die Lombardei erlebte im 15. & 16. Jahrhundert unter der Förderung der mächtigen Familie Sforza eine kulturelle Hochblüte. Auch die beiden Profilporträts sind typische Beispiele für die Friesdekoration, welche die Unterkanten der Decken in den großen lombardischen Palästen des 15. Jahrhunderts zierten. Meist in Kombination mit den herrscherlichen Wappen wurden die kleinen Tafeln an den Oberkanten der Wände angebracht und bildeten in exaktem Verlauf den Übergang der die Decken tragenden Holzbalken mit den darunter liegenden Wanddekorationen.
Stilistisch, in der strenge des Profils, aber besonders in der Ausformulierung der dreipassigen sie rahmenden Scheinarchitektur, sowie den Hintergründen, sind vorliegende Gemälde besonders vergleichbar mit über 20 Porträts, die sich im Castello Sforzesco in Mailand befinden. Auch die verwandte Gestaltung des Blumenschmucks und der Perlendekorationen könnten dafür sprechen, dass die Porträts möglicherweise aus der Werkstatt desselben Künstlers wie die Sforza-Gemälde stammten. Eine besonders mit dem Frauenprofil vergleichbare und der Werkstatt Bonifazio Bembos (um 1420-1480) zugeordnete Porträttafel befindet sich heute in der Walters Art Gallery, Baltimore (vgl. Zeri F., Italian Paintings in the Walters Art Gallery, Bd. I, Baltimore 1976, S. 293-295, Nr. 200-201, Tafel 141). Im Museo Poldi Pezzoli in Mailand hat sich die größte Serie von insgesamt 98 Porträts erhalten. Sie wurde ursprünglich für den Palazzo von Ottaviano Vimercati in Crema geschaffen.
Waren vorliegende Gemälde im Laufe des 20. Jahrhunderts meist als Florentinische Schule, Ende des 15. Jahrhunderts, katalogisiert, konnte im Jahre 1992 von Mikols Boskovits die Identifizierung der lombardischen Herkunft erfolgen. Nach mündlicher Überlieferung des Vorbesitzers wurde diese Zuordnung ebenfalls von Everett Fahy bestätigt.