Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

04. Dezember 2019, 16:00 Uhr

0759

Rudolf Polanszky*

(Wien 1951)

„Reconstructions“
1992
Plexiglas, Farbe, diverse Materialien auf Leinwand; ungerahmt
235 x 135,5 cm
Rückseitig zweifach signiert und datiert: Polanszky 92

Provenienz

2016 bei Galerie Konzett erworben;
seither Privatsammlung, Wien

€ 60.000

„In meiner Arbeit versuche ich durch Verzerrung und Überdehnung mentaler Vorstellungsmuster eine Veränderung des Grundmaterials zu erzielen und mich dem Gefängnis der biologistisch-adaptiven Sinnbedingungen zu entziehen.“ (Rudolf Polanszky, https://www.freundederkuenste.de/archiv/nachrichten/einzelansicht/artikel/ausstellung-in-krems-rudolf-polanszky-translineare-strukturen-veraenderung-des-grundmaterials/, zugegriffen am 2.10.2019)

Ausgehend von seiner Beschäftigung mit den Grundthemen der Mathematik, der Erkenntnistheorie oder der antiken griechischen Philosophie entwickelt Rudolf Polanszky einen theoretischen Denkansatz, mittels dem er neuartige künstlerische Verfahrensweisen entwickelt. Wesentlich ist dabei die unbewusste und somit fremdbestimmte Steuerung des Verhaltens zu umgehen. Wie gelingt es dem Künstler, Dinge ohne eingeübte und vorgeprägte Vorstellungen zu formen? Das Erforschen methodischer Ansätze nimmt daher einen großen Stellenwert im frühen Schaffen des Künstlers ein, daraus entwickelt Polanszky eine Begrifflichkeit, die seine Kunst im Wesentlichen definiert: Transformation, Nicht-Linearität, Symmetrien und Rekonstruktionen sind wesentliche Bestandteile des künstlerischen Vokabulars.

Um Strategien zur Umgehung festgefahrener Schemata zu entwickeln, bedient sich der Künstler unterschiedlicher Medien, Techniken und Materialien, wie Plexiglas, Metall, Spiegelfolie, Kunstharz, Draht und Schaumstoff, die er in der Verarbeitung von ihrem ursprünglichen Zweck oder vorgesehenen Nutzen entkoppelt und somit befreit. Das Zusammenfügen verschiedenster Materialien und zufälliger Formen bezeichnet Polanszky als „Ad-hoc-Synthese“.

In den Bilder der Serie der „Reconstructions“ aus den 1990er Jahren entstehen durch Überlagerung, Schichtung, Überschneidung, Verschachtelung oder Faltung diverser Materialien neue Strukturen. In Schichten überlagern einander Rechtecke mit ausgerissenen Kanten. In gestischem Duktus übermalt der Künstler in deckendem Weiß weite Partien der Bildfläche, stellenweise blitzt ein dunkler Grund hervor, braune Farbe „beschmutzt“ wie rostige Flecken die untere Hälfte. In der Bildmitte klafft eine offene Stelle, die den Blick auf den Grund freigibt und in Rot-Ockerfärbung wie eine Wunde anmutet. Bewegung, Veränderlichkeit, Assoziation werden in dieser „paradoxen Transformation in einen eingefrorenen Zustand gebracht“ (https://www.derstandard.at/story/1363711904688/das-gegenteil-dessen-tun-was-erwartet-wird, zugegriffen am 2.10.2019). Rudolf Polanszky erschafft Abstraktionen, die mit Räumen und Strukturen zu tun haben, aber noch vielmehr mit Ideen, mit idealen Vorstellungsweisen, mit dem nicht Definierbaren hinter den Ordnungen, die in einer radikalen Neuartigkeit und unabhängig von äußeren Einflüssen und bar jeder Ergebnisorientiertheit festgehalten werden sollen.
(Sophie Cieslar)