Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Juni 2019, 16:00 Uhr

0531

Josef Floch*

(Wien 1894 - 1977 New York)

„Kinderspielplatz“
1916
Öl auf Leinwand
55,5 x 90 cm
Signiert rechts unten: Floch
Rückseitig am Keilrahmen mit Bleistift bezeichnet: Floch / Wien IX Liechtensteinstr. 90

Provenienz

direkt vom Künstler als Geschenk erhalten;
seither in Familienbesitz, Privatbesitz, Australien

Literatur

Karl Pallauf, Joseph Floch - Leben und Werk 1894-1977, Wien 2000, WV-Nr. 13, s/w-Abb. S. 101

Schätzpreis: € 15.000 - 25.000
Ergebnis: € 12.500
Auktion ist beendet.

Trotz großen künstlerischen Erfolgen Zeit seines Lebens, wurde Floch in Österreich viele Jahre nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die der begabte Künstler verdient hätte. Nach einer viel beachteten Retrospektive im Belvedere 1972 wurde es still um sein Werk, obwohl im Handel immer wieder Bilder zum Teil sogar für Rekordpreise verkauft wurden. Erst in den letzten zehn Jahren entdeckte der Markt den Maler wieder, 2000 erschien das längst überfällige Werkverzeichnis begleitend zu einer großen Ausstellung. Heute ist Floch aus dem Kanon der österreichischen klassischen Moderne nicht mehr wegzudenken.

Das hier gezeigte Bild, das in liebevoller Weise das bunte Treiben von Kindern und deren Aufsichtspersonen rund um eine Sandkiste im Park festgehalten hat, stammt noch aus Flochs Ausbildungszeit an der Akademie unter Rudolf Bacher und Franz Rumpler (1913 – 1918), einer Periode in der einerseits die Hochblüte der Wiener Sezession noch nachwirkte andererseits der Expressionismus mit voller Kraft das Werken der österreichischen Künstler bestimmte und formte. Floch ist noch in seinen Lehrjahren und somit in der Experimentierphase, außerdem absolviert er gerade seinen Wehrdienst. Erst zwei Jahre später, 1918, wird er bei einem Besuch der Pinakothek München die Werke Paul Cezannes, Vincent van Goghs und Hans von Marées genau studieren, eine Erfahrung, die sein Werk nachhaltig prägen sollte. Ist es auch ein Produkt Flochs früher „Akademie-Malerei“ so ist bereits hier sein psychologisches Feingefühl und die große Einfühlsamkeit bemerkbar, mit der er die Beziehungen und den Umgang der Kinder und Erwachsenen miteinander schildert. Ganz im Gegensatz zu seinen späteren Bildern, in denen er kaum mehr als ein bis zwei Personen darstellt, die in einsamer Stille verharren, steht hier die Vielzahl an Personen die im Licht-Schattenspiel der Bäume spielen, plaudern oder sich auf Bänken ausruhen. Im Schattenspiel des Laubes am Boden ist noch der Stimmungsimpressionismus spürbar. Auch die Signatur in Blockbuchstaben wird sich später noch verändern. Wenige Jahre später wird Flochs erste Ausstellungsbeteiligung (1920) bereits zum Erfolg, 1922 beginnt er zu reisen, was sein weiteres Schaffen und Leben prägen wird: zuerst Holland, dann Palästina, schließlich Paris, wo er sich niederlässt. Nicht der Expressionismus sondern die Malerei des Klassizismus fasziniert ihn, die Werke Gauguins und Cézannes beeinflussen seine Arbeit, besonders die Bilder Hans von Marées. Mitte der zwanziger Jahre erreicht Floch die für ihn so charakteristische Bildsprache: es ist eine melancholische, in der es um Einsamkeit, Stille und Verinnerlichung geht. Umrisse lösen sich auf oder verschwimmen, Dinge und Personen wirken geheimnisvoll und entrückt. Seine Bilder sind den Werken Giorgio de Chiricos und der Pittura Metafisica verwandt. Eine satte Farbigkeit kombiniert mit kühlen Grau, Grün und Blau Tönen zieht sich konsequent durch sein Werk, zuerst noch hell und luftig, in den USA werden die Töne dann dunkler und schwerer. 1941 emigriert Floch mit seiner Frau nach New York, wo er schnell Fuß fasst und an seine Erfolge in Europa anschließen kann. Er freundet sich mit dem amerikanischen Maler Edward Hopper an, zahlreiche Ausstellungen und Auszeichnungen folgen. 1955 kommt er wieder nach Wien, das aber längst nicht mehr Zuhause ist. Josef Floch gehört zu den wenigen österreichischen Künstlern, die international erfolgreich waren und erhielt auch im Ausland zahlreiche Auszeichnungen.
(Ina Waldstein)