Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

18. Juni 2019, 15:00 Uhr

1000

Hans Kupelwieser*

(Lunz 1948)

„o.T. ("Freizone Dorotheergasse")“
1988
Aluminiumabguss
Alle vier Teile haben unterschiedliche Maße. Teil 1: 143,5 x 30 cm Teil 2: 62,5 x 30 cm Teil 3: 156 cm x 30 cm Teil 4: 118,5 x 30 cm
Signiert und datiert auf einem Teil: Kupelwieser 88

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Literatur

Galerie Metropol (Hg.), Freizone Dorotheergasse, Wien 1988, Abb. S. 65.

Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
Auktion ist beendet.

Im Zeitalter einer steten Beschleunigung kommunikativer Alltagsprozesse mit einem im Zuge dessen immer unfassbareren Objektbegriff, scheinen auch die Grenzen in der Kunst, im Speziellen zwischen den einzelnen Kunstgattungen immer mehr zu verschwimmen. Neben Franz West, Erwin Wurm und Heimo Zobernig zählt Hans Kupelwieser zu den bekanntesten österreichischen Vertretern einer „postmedialen Skulptur, bei der der Künstler zwischen den diversen Medien, Materialien und Funktionen frei operiert“ (Christa Steinle, Hans Kupelwieser. Ausstellungkatalog, Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Graz 2004/2005, S. 7). Vor allem durch seine Skulpturen im öffentlichen Raum hat sich Kupelwieser auch international einen Namen gemacht.

Prominentes Beispiel ist die Arbeit, die er 1988 für die Freizone Dorotheergasse ausführt, ein von Georg Kargl und Christian Meyer von der Galerie Metropol initiiertes Projekt, das vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um die Sperrung der Geschäftsstraße für den Autoverkehr entwickelt und von Peter Weibel kuratiert wird. Der Kunst soll im Stadtraum ebenso Platz eingeräumt werden, wie dem Verkehr oder dem Handel mit seinen Schaufenstern und Werbeflächen. Im Zuge dessen wurden mehrere Eingänge und Fassaden der Wiener Innenstadtgasse von verschiedenen Künstlern – neben Kupelwieser, Ernst Caramelle, Valie Export, Peter Kogler, Gerwald Rockenschaub, Franz West u.a. – gestaltet. Diese legendäre Ausstellung exerzierte erstmals in Wien vor, was Kunst im öffentlichen Raum zu leisten vermag.

Ein Merkmal der Arbeiten Ernst Kupelwiesers ist die Materialtäuschung, in diesem Fall weisen die in die Fassade eingelassenen Metallplatten ein Muster auf, das in seiner geflochtenen Ornamentik an die Abdrücke von Autoreifen erinnert. Den Fahrzeugen gleich, die die Straße erobern und geparkt öffentlichen Raum in Anspruch nehmen, haben hier die Skulpturen die Hausmauern besetzt. Die
„Verschränkung von Materialerweiterung und Operationserweiterung zwischen Form und Funktion ist das Analysefeld von Hans Kupelwieser“ (Steinle, S. 9). Dabei bewegt er sich ständig im Grenzbereich zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, setzt sich in seinem Werk immer wieder mit dem klassischen Konflikt zwischen Architektur und Bild, zwischen Gegenstand und Abbild auseinander.

Der serielle, friesartiger Charakter, hier durch die Portale der Fassade unterbrochen, kommt auch in späteren Arbeiten wie im fünfzig Meter langen, knapp über dem Boden montierten Stahlband am jüdischen Friedhof in Krems 1995 oder der „Hohlkopfwand“ in St. Pölten von 1996 zum Tragen. „Indem Darstellungsweise und Formgenese durch die seriellen Wiederholungen selbst zum Motiv werden, treten Bild- und Objektmodi deutlicher hervor als das konkrete Objekt.“ Im Zentrum stehen „Einteilung, Intervallstruktur, Material, Licht, Form, die Präsentationsweise im Raum“ (Steinle, S. 52). (Sophie Cieslar)