Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

18. Juni 2019, 15:00 Uhr

0761

Elke Silvia Krystufek*

(Wien 1970)

„tiger lily“
1998
Acryl, Glitzer auf Leinwand; ungerahmt
170 x 130 cm
Rückseitig bezeichnet, datiert und signiert: tiger lily, 2/7-8/98, Elke Krystufek

Provenienz

Galerie Georg Kargl, Wien;
seit 1999 Privatbesitz, Wien

Literatur

Economical Love. Elke Krystufek. Ausstellungskatalog XXIV Bienal de São Paulo, 1998, Abb. S. 57.

€ 16.000

Der Bildtitel „Tiger Lily“ kann viele Assoziationen wecken. Angefangen von der ältesten Lilienart, die mit ihren leuchtenden Farben für Leidenschaft, Schönheit aber auch Gefahr stehen kann, nutzen Musiker, wie die britische Popband „Tiger Lillies“, oder starke Frauen, wie die amerikanische Suffragette Lillie Devereux Blake diesen Namen als Pseudonym. Auch in Film und Literatur kommt er häufig vor wie zum Beispiel in der Geschichte „Peter Pan“. Die Indianerprinzessin Tiger Lily ist eine der vielseitigsten Charaktere der Erzählung. Sie möchte Peter Pan für sich haben, ist eifersüchtig, hinterhältig, aber dann wieder loyal, tapfer, kampfeslustig und mutig. Die Zusammensetzung aus den Worten Lilie und Tiger verweist zudem einerseits auf immerwährende Schönheit und andererseits auf einen selbstbewussten starken Charakter, vor dem man sich in Acht nehmen muss.

Auch Elke Krystufeks „Tiger Lily“ kommt ganz schön provokant und intensiv daher. In aufreizender Pose präsentiert sie dem Betrachter ihr Geschlecht, posiert sexuell aggressiv und stellt voyeuristische Triebe bloß, indem sie eine Kamera auf den Betrachter gerichtet, diesen als Spanner entlarvt: Schau her was ich habe, aber ich hab’ auch Dich. – Angriff und Verteidigung in einem. Blondes Haar wallt aufreizend zwischen den Brüsten, die Brustwarzen leuchten wie rote Signalbojen, aber über die gesamte Bildfläche hat die Künstlerin ein dichtes Punktewerk gelegt, das an das Muster des Fells eines Leoparden erinnert – nicht des Tigers, aber eines anderen gefährlichen Raubtieres. Das Muster signalisiert Gefahr und ist gleichzeitig Schutz für die Dargestellte, weil es sich wie ein Schleier über den entblößten Körper legt.

Elke Krystufek geht schonungslos mit den Geschlechterrollen ins Gericht. Dabei setzt sie den eigenen Körper bis zur Grenze der Selbstverletzung ein, er ist Material und Inhalt ihrer Arbeiten. Sie bildet sich als Kunstfigur in unzähligen Versionen selbst ab und analysiert dabei „den Bereich zwischen Privatsphäre, Individuum und Öffentlichkeit... Die oft schockierende Nacktheit in ihren Bildern soll nicht vordergründig provozieren, sondern hinterfragt Bedeutungsebenen von Nacktheit in unserer Gesellschaft. Als Kunstobjekt setzt sich die Künstlerin bewusst dem Terror von Symbolen und kulturellen Gesetzen aus.“ (http://sammlung-essl.at/jart/prj3/essl/main.jart?rel=de&reserve-mode=active&content-id=1465039458880&article_id=1367496240028, abgerufen am 5.5.2019). (Sophie Cieslar)