Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

09. April 2019, 16:30 Uhr

0234

Ferdinand Georg Waldmüller

(1793, Wien - 1865, Helmstreitmühle bei Mödling)

„Ein alter Invalide mit Kindern“
1827
Öl auf Holz
31,5 x 26 cm
Signiert und datiert rechts unten: Waldmüller 1827
Rückseitig Lacksiegel des österreichischen Kaiserhauses

Provenienz

Sammlung des österreichischen Kaisers Franz Joseph I.;
1918 Übergang in österreichischen Staatsbesitz, Schloßhauptmannschaft Schönbrunn;
1924-1926 als Leihgabe der Österreichischen Galerie, Wien;
1926 laut Ministerial-Erlass von der Österreichischen Galerie verkauft;
ab 1926 Sammlung KR Josef Siller, Wien;
vor 1934 Sammlung Rudolf Steiner, Wien;
Ende 1938 Beschlagnahmung durch die Gestapo in Wien;
Jänner 1938 Galerie Maria Almas-Dietrich, München;
vor Juni 1939 Sonderauftrag Linz (Projekt "Führermuseum", Linz-Nr. 577);
1945 Central Collection Point der Aliierten, München (registriert 18.10.1945, Mü-Nr. 10561);
10. Juni 1949, Übergabe des Gemäldes an die BRD;
5. Dez. 1958, Übergabe des Gemäldes an das Österreichische Generalkonsulat in München und Rückführung nach Wien;
31. März 1959, Restitution des Gemäldes durch das Bundesdenkmalamt Wien an Rudolf Steiner;
Sotheby's, München, 21.6.1994, Lot 54;
süddeutsche Privatsammlung;
österreichischer Privatbesitz

Ausstellung

1828 Wien, Akad. Ausstellung in der Österreichischen Galerie, Nr. 166
1970 Innsbruck, Tiroler Landesmuseum, Nr. 85, Abb. 83

Literatur

Bruno Grimschitz, Ferdinand Georg Waldmüller, Salzburg 1957, S. 294, Nr. 211 (SW-Abb.), dort irrtümlich als "1945 verbrannt";
Österreichische Malerei des 19. Jahrhunderts aus Privatbesitz, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, Ausstellung Juni bis August 1970, Nr. 85, Abb. 83;
Maria Buchsbaum, Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865), Salzburg 1976, S. 45, Abb. 40
Rupert Feuchtmüller, Ferdinand Georg Waldmüller 1793-1865, Wien-München 1996, S. 440, WV-Nr. 230 (SW-Abb.)

€ 110.000

"Ein invalider Veteran aus den Napoleonischen Kriegen hat mit seinen Enkelkindern offenbar einen Ausflug in die Weinberge südlich von Wien unternommen. Er sitzt vor einem Preßhaus, auf dessen Dach man das Gnadenbild von Mariahilf sieht. Der ordensgeschmückte ehemalige Krieger hält das jüngste Kind auf dem Schoß. Der Krückstock ist abgestellt, er reicht dem Kleinen gerade einen Apfel. Die Wiener Zeitung, Tabaksbeutel und Pfeife sind beiseite gelegt. Das Mädchen am Tisch hält eine Traube, während der Knabe sich versonnen mit dem Schwert des ehemaligen Soldaten zu schaffen macht." (Feuchtmüller 1996, S. 50)

Ferdinand Georg Waldmüllers Gemälde sind immer Bild gewordene Erzählungen. Die lebhafte und rhythmisch angeordnete Widergabe von Mimik und Gesten stimulieren die Fantasie des Betrachters. Es war noch nicht zu lange her, als er, verheiratet mit der Hofopernsängerin Katharina Weidner, mit Theaterkulissen neben Porträts sein Geld verdient hatte. Beide Erfahrungen verbinden sich in diesem Bild, das wie eine Art „Filmstill“ einen Moment einer Theaterszene festhält. Der Hintergrund mit Gebäude und Landschaft erinnert ebenso mehr an eine rahmende Kulisse als an einen realen Ort, wie im Theater verbinden sich Wirklichkeit und Idee in diesem besonderen Genrebild. (MHH)