Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

30. November 2018, 17:00 Uhr

0007

Wilhelm Thöny*

(1888, Graz - 1949, New York)

„Ansicht von Paris“
1933-36
Öl auf Leinwand auf Hartfaserplatte
41 x 49 cm
Signiert links oben: Thöny

Provenienz

Privatsammlung, Salzburg;
österreichischer Privatbesitz

Literatur

Christa Steinle / Günther Holler-Schuster (Hg.), Wilhelm Thöny. Im Sog der Moderne, Ausst.-Katalog Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum, Graz 2013, WV-Nr. 329 (m. Abb.)

€ 180.000

Im Jahr 1929 reiste Wilhem Thöny erstmals nach Paris und war fasziniert vom Kunstleben und Flair der französischen Metropole. 1931 folgte seine Übersiedlung nach Paris, wo er sehr glückliche und künstlerisch äußerst produktive Jahre verbrachte, bevor er 1938 mit seiner jüdischen Frau Thea nach New York emigrieren musste.

Paris stellt sich für Thöny als "brausende, tausendfältig schöne und interessante Stadt" dar, "formvollendet und positiv" (Brief Wilhelm Thöny an Paula Haimel, 28. 11. 1931, vgl. Kat. Neue Galerie Graz, S. 195). Inspiriert von der Atmosphäre der Stadt, den intensiven Seherlebnissen und in Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde kommt es zu einem bemerkenswerten Wandel der Bildsprache: das dunkle Kolorit und der schwermütige Tenor der Grazer Jahre weichen einer hellen frischen Farbpalette, die eine heitere Grundstimmung ausstrahlt. Der Pinselduktus wirkt leicht und flüchtig. In einem Brief an Alfred Kubin schreibt Thöny aus Paris: "Als Maler glaube ich (koloristisch) das richtige zu tun, noch hier zu bleiben, meine Farben waren allzu finster, ja hoffnungslos schwer." (Brief Wilhelm Thöny an Alfred Kubin, 15. 5. 1934, vgl. Kat. Neue Galerie Graz, S. 311)
Die vorliegende Ansicht von Paris ist ein wunderbares Gemälde dieser wichtigen Schaffensperiode Thönys. Von einem höher gelegenen Standpunkt aus wandert der Blick über die schräg in die Tiefe führende Häuserreihe, der Straßenflucht entlang, deren Sogwirkung raumperspektivisch forciert wird. Das Interesse des Malers gilt der atmosphärischen Erscheinung der Pariser Silhouette, die unter dem hellen Himmelsblau und im flimmernden Dunst der Atmosphäre flüchtig und anonym wirkt.
(Claudia Mörth-Gasser)