Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

30. November 2018, 17:00 Uhr

0015

Alfons Walde*

(Oberndorf 1891 - 1958 Kitzbühel)

„Bergbauer“
1933
Öl auf Karton
27,5 x 23 cm
Signiert rechts unten: A. Walde
Rückseitig Künstleretikett mit eigenhändiger Bezeichnung: "Bergbauer" / Alfons Walde / Kitzbühel, Tirol, Austria / 1933
Originalrahmen

Provenienz

österreichischer Privatbesitz;
Dorotheum Wien, 21. 04. 1998, Nr. 81;
österreichischer Privatbesitz

Das Bild ist im Werk-Archiv von Alfons Walde mit der Nummer D-KÖ-155 registriert.

€ 70.000

Von Alfons Walde gibt es wenige Porträts, etwa von dem mit ihm befreundeten Arbeiterdichter Alfons Petzold, von Luis Trenker, für den er diverse Buchcovers gestaltete, von seinen Ehefrauen und natürlich von sich selbst. Nicht das Psychologische eines Menschen interessierte ihn in seinen Darstellungen, sondern das Allgemeingültige, Typische und Pittoreske der Bewohner seines Kitzbühler Lebensraumes. So zeigt auch der vorliegende „Bergbauer“ kein konkretes Porträt, sondern eine Figur, wie wir sie von Waldes Alltagsbildern und Milieuschilderungen kennen, etwa dem wiederholt aufgegriffenen „Sonntag in Tirol“. Zugleich greift der Maler in dem Bild motivlich auf seinen „Kaiserschützen am Monte Piano“ zurück, ein braungebrannter, markanter junger Mann im Dreiviertelprofil vor leuchtender Schneelandschaft unter tiefblauem Himmel. Sogar die im Schatten liegenden Augen und der kecke Schnurrbart finden sich da wie dort, lediglich die federgeschmückte Kaiserschützenkappe ist durch einen Bauernhut mit roter Nelke ersetzt. Und nicht zu vergessen die Dolomitenlandschaft durch die Kitzbühler Gegend mit malerischen Bauernhäusern und zwei Frauen auf ihrem Heimweg (in einer anderen Fassung fehlen diese). Ein Konzentrat Walde’scher Bilderwelt möchte man das kleinformatige Gemälde bezeichnen, in dem sich die charakteristische summarisch-pastose Malweise ebenso findet wie die unübertroffene Gestaltung des Schnees mit den kräftig blauen Schatten. Man spürt förmlich die Wärme der Sonnenstrahlen an einem strahlenden Märztag im Gebirge. Kompositionell beachtenswert ist, wie der Künstler durch Diagonalen und Gegendiagonalen Spannung in die Komposition bringt. Und es wäre nicht Walde, wenn er nicht auch mit dem Rot von Nelke und Schürze einer der beiden Bäuerinnen kräftige Farbakzente gesetzt hätte. Die Eigenart des Kitzbühler Malers wird besonders deutlich im Vergleich mit Albin Egger-Lienz, den er selbst als wichtigen Anreger bezeichnet. Seine Bauern zeigen im Unterschied zu denen Eggers nichts Schweres, ins Schicksal-Geworfenes, sondern vermitteln eine Leichtigkeit des Seins fernab der Mühen der Arbeit: an einem „Sonntag in Tirol“.
(Carl Kraus)