Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

01. Dezember 2018, 15:00 Uhr

0062

Rudolf Stingel*

(Meran 1956)

„o.T.“
1997
Öl auf Leinwand; ungerahmt
117 x 109 cm
Rückseitig signiert und datiert: Stingel 97

Provenienz

Galerie Georg Kargl, Wien;
Privatsammlung, Wien

Schätzpreis: € 250.000 - 500.000
Auktion ist beendet.

Rudolf Stingels Werk ist eine ständige Reflexion grundlegender Fragen der Malerei. Es geht um Farbe, Raum, Licht, aber auch um Stofflichkeiten, die bisweilen zur Verwendung ungewöhnlicher Materialien wie Teppich, bemaltes Aluminium oder Styropor führen. „Malerei und Plastik gehen eine Verbindung ein, Konzeption und schöpferischer Zufall spielen zusammen... Humor, Ironie und eine eindeutige Bekenntnis zum Minimalismus bilden den Kern seines Werkes. Er kombiniert seine Liebe zur Malerei mit einem postmodernen Zweifel an ihr und er erreicht oft eine fast perfekte Balance zwischen Visualisierung und Konzept.“ (http://www.georgkargl.com/de/kuenstler/rudolf-stingel, zugegriffen am 21.10.2018)

Der geborene Südtiroler und Autodidakt lebt und arbeitet nach Stationen in Wien und Mailand seit 1987 in New York: „Ich wollte es probieren. Ich konnte kein Englisch sprechen, aber ich habe sofort gemerkt: Das ist der Ort, wo ich hin will“, erinnert sich der Künstler (https://www.tageszeitung.it/2017/06/25/der-millionen-kuenstler/, zugegriffen am 21.10.2018). Vergleichbare ebenfalls 1997 entstandene Arbeiten, die vordergründig dem Informel verhaftet zu sein scheinen, waren im selben Jahr in der renommierten Paula Cooper Gallery in New York zu sehen und typisch für Rudolf Stingel, lässt er den White Cube der Galerie mit einem rot-rosa gestreiftem Teppich auslegen: Wohnzimmer-Atmosphäre und gleichzeitig ein farblicher Kontrast im Wetteifer mit den Bildern an der Wand. Rudolf Stingel "legt sich gerne mit der Malerei an" (http://www.art-in-berlin.de/incbmeld.php?id=1819 zugegriffen am 21.10.2018), hinterfragt jegliche althergebrachte Definition des Tafelbildes, erweitert den Begriff der Malerei radikal.

Diese informellen Bilder sind zudem bei näherer Betrachtung der Oberfläche keineswegs spontan und impulsiv gemalt. Man sieht wie komplex und kompliziert, wie technisch raffiniert der Farbauftrag ist. Wie Krater und Hügelketten einer Mondlandschaft hebt sich die rote Farbe vom schwarzen Grund ab. Einmal mehr „visualisiert“ der Künstler „seine Grundüberzeugung über das Wesen von Malerei und die Entwicklungspotentiale des problematischen Mediums: um ihm neue Perspektiven zu eröffnen, darf es nicht nur um rein retinale Qualitäten, um die expressionistische Geste, pittoreske Schönheit oder Komposition gehen“( s.o.). Rudolf Stingel nimmt den Betrachter auch losgelöst vom Ort der Präsentation mit auf eine Reise ins „Atmosphärisch-Imaginäre, in Stimmungsräume“ (http://kunsthallezurich.ch/sites/default/files/downloads/pressetext_rudolfstingel.pdf, zugegriffen am 21.10.2018), denen man sich schwer entziehen kann. (Sophie Cieslar)