Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

01. Dezember 2018, 15:00 Uhr

0033

Franz Grabmayr*

(Pfaffenberg b. Obervellach/Kärnten 1927 - 2015 Wien)

„Sandgrube“
1997
Öl auf Leinwand; ungerahmt
93,5 x 116 cm
Rückseitig monogrammiert und datiert: F. G. 1997

Provenienz

österreichische Privatsammlung

 € 30.000

Im Jahr 1997, als die vorliegende Arbeit entsteht, war der gebürtige Kärntner Künstler Franz Grabmayr nach längeren Auslandsaufenthalten soeben wieder in seine Wahlheimat, ins Waldviertel, zurückgekehrt. Dort widmet er sich erneut der regionalen Motiv-Welt. Die Serie der „Sandgruben“ beginnt der Künstler allerdings bereits Mitte der 1960er Jahre, als sich auch sein Malstil pastoser und reliefartiger zu entwickeln beginnt. Im Laufe seines Schaffens wird er das Sandgruben-Motiv wiederholt aufgreifen.
Über seine Sandgruben-Bilder erzählt Grabmayr rückblickend: „Als ich die Farben tonig gemalt habe – die Ockertöne, die Brauntöne – habe ich schon das gleiche Licht gefunden, das auch meine späteren Bilder aufweisen. Am Licht hat sich nichts geändert. Es hat sich bei mir nur geistig, schöpferisch oder empfindungsmäßig etwas verändert. Ich wusste, ich will die Farben so, wie man sie auf der Palette hat. Die reinen Farben, gelb, rot, orange, blau; die hatte ich stets vor mir. Nun wollte ich versuchen, die starke Farbigkeit der Palette mit der gesehenen Natur in einen Zusammenhang zu bringen. Das heißt, die tiefen Mulden in der Sandgrube wurden zum Violett, die Höhen zum Gelb, die Zwischentöne Rot, und dahinter das Blau. Der Versuch, die reinen Farben mit der Landschaft in Einklang zu bringen, die Landschaft in einer gesteigerten Farbigkeit auszudrücken, sind ganz bewusste geistige Überlegungen, Setzungen, Entscheidungen.“ (Franz Grabmayr)
Kontinuierlich und konsequent verfolgt Grabmayr seine charakteristische, auf das Material bezogene Arbeitsweise, entfernt sich immer weiter vom Sichtbaren, reduziert Farbpalette und Ursprungsform und löst den Gegenstand in plastische Farbe auf, bis hin zur vollkommenen Abstraktion. Das pastos aufgetragene Farbmaterial erwirkt Licht und Schatteneffekte, die den Arbeiten Vitalität und Dynamik verleihen.
Damit reiht sich Grabmayr einerseits in die Tradition der österreichischen Expressionisten ein, andererseits steht er den Materialkünstlern der Arte Povera und den Aktionisten nahe. Als die Aktions- und Performance-Kunst in den 1960er und 1970er Jahren Erfolge feiert, bleibt Grabmayr allerdings der Malerei und ihren Materialien treu und geht einen vollkommen eigenständigen Weg. Heute zählt der 2015 verstorbene Künstler zu den wichtigsten Vertretern einer auf die Materialität der Farbe bezogenen Malerei. (vgl. hierzu: Klaus Albrecht Schröder in: Franz Grabmayr, Wolfratshausen 2002, S.15) (Isabell Kneidinger)