Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

01. Dezember 2018, 15:00 Uhr

0036

Fritz Wotruba*

(Wien 1907 - 1975 Wien)

„Hockender ("Geschlossene Figur")“
1951
Bronze
H. 52,5 cm, B. 23 cm, T. 44,5 cm
Signiert: WOTRUBA (gemeißelte Signatur, an der Plinthe, Rückseite)
Nummerierung: 4/7 (rechts neben der Signatur)

Provenienz

Erker Galerie, Sankt Gallen;
seit 1985 Privatbesitz, Österreich

Literatur

Jürg Janett (Hg.), Otto Breicha: Fritz Wotruba. Skulpturen, Reliefs, Bühnen- und Architekturmodelle (Erker-Verlag Sankt Gallen 2002) WVZ. Nr. 162, Abb. S. 187.
Ausstellungskatalog: Wotruba. Marlborough-Gerson Gallery Inc, New York, 10. März – 4. April 1964, Abb.S. 8.

Eine Kopie des Echtheitszertifikates der Fritz Wotruba Privatstiftung liegt bei.

€ 50.000

Der Künstler schuf 1951 die Skulptur Hockender aus Kalkstein. Von dieser Steinskulptur gestaltete er Auflagengüsse in Bronze in zwei Fassungen. Die erste Fassung zeigt dasselbe Erscheinungsbild wie die Steinskulptur, die Variante weist Überarbeitungen auf. Der hier beschriebene Bronzeguss entspricht der ersten Fassung und ist im Gussbuch der Arbeiten Fritz Wotrubas verzeichnet. Er wurde 1964 im Rahmen der Wotruba-Ausstellung in der Marlborough-Gerson Gallery in New York ausgestellt. Entsprechend dem aktuellen Forschungsstand ist davon auszugehen, dass vom Hockenden in der ersten Fassung nach Stein 12 Bronzegüsse und zwei Zementgüsse hergestellt wurden und von der zweiten Fassung drei bis vier Bronzegüsse.
Fritz Wotruba zählt zu den bedeutendsten europäischen Bildhauern der klassischen Moderne. Unter seinem Einfluss und dank seiner Lehrtätigkeit an der Akademie der bildenden Künste in Wien konnte die in Österreich nach 1945 entstandene Plastik an die internationale Entwicklung der modernen Skulptur anschließen. Nach dem Krieg und seinem Exil in der Schweiz entwarf er ab den späten 1940er Jahren ein künstlerisches Konzept der Abstraktion der menschlichen Figur mit Quadern und Röhrenformen.
Der Künstler vollzog in den ersten Nachkriegsjahren in Auseinandersetzung mit der internationalen Moderne den Übergang von einer realistisch-klassizistischen Gestaltungsweise zur figurativen Abstraktion, indem er den Kubus als Grundelement der Gestaltung der menschlichen Figur einsetzte. Der Hockende von 1951 ist eines der Hauptwerke dieser Schaffensperiode. Die Gesichtslosigkeit des kantig-geometrischen Kopf-Blocks betont den anonymen Charakter des Menschenbildes in den Arbeiten Fritz Wotruba. Die komplexe Körperhaltung des Hockens, die den Bildhauer sein gesamtes Schaffen hindurch beschäftigte, ist durch die Reduktion der einzelnen Körperteile auf Würfel- und Quaderformen in beeindruckender Monumentalität, Klarheit und Geschlossenheit dargestellt. (Gabriele Stöger-Spevak)