Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

01. Dezember 2018, 15:00 Uhr

0625

August Walla*

(Klosterneuburg 1936 - 2001 Klosterneuburg)

„August Selbstmord“
1989
Acryl und Mischtechnik auf Leinwand; ungerahmt
160 x 120 cm
Signiert und bezeichnet im Bild oben: August.! Selbstmord.! Toter.!

Provenienz

Privatbesitz, Steiermark

€ 12.000

August Wallas private Mythologie begegnet uns auf verschiedensten Wegen: Er malte und zeichnete sie auf Straßen, Bäume und Wände, legte sie mit leuchtend roten Steinen am Donauufer, nähte und stickte sie auf Fahnen, formulierte sie schriftlich auf der Schreibmaschine, gestaltete rituell aufgeladene Objekte und dokumentierte diese fotografisch. Er hat über Jahrzehnte ein Œuvre geschaffen, dessen Intensität ihn als einen der vielseitigsten österreichischen Künstler des 20. Jahrhunderts auszeichnet. 1936 in Klosterneuburg bei Wien geboren, wuchs Walla mit seiner Mutter und Großmutter zu Kriegszeiten auf. Ereignisse aus dieser Kindheit mündeten in Folge auf verschiedenste Weise in sein künstlerisches Schaffen. Dieses fand seinen Anfang bereits in der Schulzeit, wo er anstatt zu schreiben, all seine Hefte mit roter Farbe bearbeitete. Später überflutete er mit seinem künstlerischen Universum einen Schrebergarten in den Donauauen – mit „heiligen Zeichen“ überzogene Bleche und Bretter gaben dort eine Vorahnung von Wallas Vermögen als Maler. 1983 wurde er vom Psychiater Leo Navratil eingeladen, Mitglied der Künstler-Kolonie im damaligen NÖ Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Klosterneuburg zu werden. Walla folgte dieser Einladung und bezog mit seiner Mutter ein Zimmer im dortigen Haus der Künstler, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2001 lebte. 1986 trat Johann Feilacher die Nachfolge Navratils an. Mit dem Psychiater und Künstler hielten „professionelle“ künstlerische Materialien Einzug in die Wohngemeinschaft der Talentierten in Gugging. So fand Wallas malerisches Tun Ende der achtziger Jahre eine Hochblüte. Die Leinwandarbeit „AUGUST.! SELBSTMORD.! TOTER.!“ aus dem Jahr 1989 ist Teil dieses Spektrums von Wallas Schaffen: Vorder- und Rückseite sowie der Keilrahmen sind expressiv und flächig bemalt. Der Künstler eröffnet den Blick auf eine Art geschmücktes Grab aus dem ein menschlicher Kopf ragt. Für sein Schaffen charakteristisch, verbindet Walla in dieser Arbeit gegenständliche Darstellung mit individueller Symbolik und Sprache. Die großbuchstabigen Schriftelemente im oberen Bildteil weisen die von ihm werkübergreifend verwendete, charakteristische Interpunktion „.!“ auf. Das aus einem Kreuz und vier kugelartigen Formen bestehende Symbol, das sich auf dem Spaten und in Wiederholung daneben findet, ist das von Walla privat-mythologisch definierte für „Todesgott“ (Vgl. hierzu: Leo Navratil: August Walla. Sein Leben und seine Kunst, Buchstaben und Zeichen, Nördlingen 1988, S. 180). Das Thema des selbstbestimmt aus dem Leben Scheidens taucht immer wieder in Wallas Œuvre auf: „[…] will haben, daß dies Weltall ein Ende hat … will Erlaubnis haben, mich seelenlos machen zu lassen dürfen […]“ (August Walla, zitiert nach: Leo Navratil: August Walla. Sein Leben und seine Kunst, Todesmacht ohne Tuhen. Der Selbstmörder, Nördlingen 1988, S. 90). Es ist Symptom seines absolut existenziellen Tuns, seines fortwährenden Ringens um Extreme und des Wunsches nach einem Dasein im „Ewigkeitendeland“, abseits der Irrungen der diesseitigen Welt. (Maria Höger)