Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

20. Juni 2018, 18:00 Uhr

0832

Max Weiler*

(Absam bei Hall i. Tirol 1910 - 2001 Wien)

„Ihres (aus dem Zyklus "Als alle Dinge..." )“
1961
Eitempera auf Leinwand; gerahmt
230,5 x 115 cm
Monogrammiert rechts unten: W
Rückseitig bezeichnet, signiert und datiert: IHRES, M Weiler 61

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Ausstellung

Tiroler Handelskammer, Innsbruck (1961)

Literatur

Gottfried Boehm, Der Maler Max Weiler. Das Geistige in der Natur, 2. Auflage, Springer Wien, New York 2001/2010, Abb. S. 235.
Edelbert Köb (Hg.), Max Weiler: Im Jahrhundert der Moderne. Malerei seit 1927 (Kat. Ausst., Künstlerhaus Wien, 1999/2000), Wien 1999. Abb. S. 199.
Verein der Freunde des Werkes Max Weilers (Hg.), Max Weiler: Aus der Natur gemacht. Bilder von 1927 bis 1997, Wien 1997. Abb. S. 156.

€ 90.000

"Meine Wirklichkeitssehnsucht führt mich von den Dingen, die sichtbar sind, zu solchen, die nicht sichtbar und doch wirklich sind. Diese versuche ich sichtbar zu machen mittels Farben und Farbverteilungen." (Max Weiler 1961, zit. in: Kat. 1997, S. 156)

Ende 1960 begann Max Weiler mit der Arbeit an einem 29-teiligen Bilderzyklus, der den Anfangssatz aus dem Buch der Weisheit von Meister Eckart, einem spätmittelalterlichen Theologen und Philosophen des 13. Jhd.s, folgte: "Als alle Dinge in tiefem Schweigen lagen und die Nacht in der Mitte ihres Laufes war, da kam vom Himmel, vom königlichen Throne, o Herr, Dein allmächtiges Wort." (Meister Eckhart, Buch der Weisheit, Weish 18, 14.15)
Jedes der Bilder des Zyklus ist einem Wort des Satzes zugeordnet, was ihnen einen übergeordneten Zusammenhang gibt, formal bilden sie jedoch unabhängige, für sich stehende Einzelbilder. Mit diesem Zyklus, mit dem Max Weiler "eine Grundstimmung meines Lebens sichtbar" machte, begann "aus dem Unvermögen sie [die Stimmung] in Worte zu kleiden" (Max Weiler 1961), seine endgültige Hinwendung zu einer abstrakten, Gegenstands-gelösten Malerei, die sich rein aus dem freien, gestischen Farbauftrag entwickelt. Die besondere suggestive Wirkung der Bilder ist das Ergebnis vieler deckender und lasierender Schichten unterschiedlicher, kraftvoller Farbtöne, welche die Bilder zum Leuchten bringen. Breite Pinselstriche und die dynamische, sorgfältig gesetzte Handschrift sorgen für den Kontrast, der für den Bildaufbau so relevant ist. (vgl. Max Weiler, Kat. 1997, S. 152)
Maurice Besset, ehem. Direktor des Französischen Kulturinstituts in Innsbruck, hielt in seinem Eröffnungstext anlässlich der Präsentation des Zyklus in der Tiroler Handelskammer fest: "Durch ihre Dimension, ... durch ihren Aufbau, durch die Kohärenz und Freizügigkeit ihres mächtigen Rhythmus, behauptet sich diese Bilderfolge nicht etwa nur als Gegenstand, sondern sogar als Architektur, die zu durchwandern ein ähnliches geistiges Abenteuer bedeutet, wie etwa die Meditation über die Verse eines Gedichtes, in dem es sich scheinbar um nichts anderes handelt als um die Farbe unserer Träume." (Maurice Besset, zit in: Max Weiler. Licht und Farbe, Museion Bozen 1994, S 187)
Das Gemälde „Ihres“ ist das 14. Bild des Zyklus und ist wie alle anderen Bilder bewußt reduziert nur mit einem "W" signiert. (MHH)