Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

19. Juni 2018, 18:00 Uhr

0347

Leo Putz

(Meran 1869 - 1940 Meran)

„Caboclos Lieder, Kirchenfest Penha bei Rio“
1932
Öl auf Karton
49 x 62,3 cm
Signiert und datiert rechts unten: Leo Putz / Rio 32

Provenienz

Privatsammlung, Berlin;
Grisebach Berlin, 01. 12. 2007, Nr. 256;
europäische Privatsammlung

Literatur

Vergleiche die Bildvariante bei Putz: Helmut Putz, Leo Putz 1869 - 1940. Werkverzeichnis in zwei Bänden, Bd. II, Gauting 1994, vgl. WV-Nr. 1688, sw-Abb. S. 820 sowie Bd. I Farbabb. S. 429

€ 20.000

Leo Putz ist ein souveräner Vertreter der spätimpressionistischen Plein-Air-Malerei. Nach Ausbildungen an der Münchner und der Pariser Akademie beteiligt er sich ab 1892 regelmäßig an den Ausstellungen der Münchner Sezession, deren Mitglied er wird, 1899 ist er Mitbegründer der losen Künstlervereinigung „Die Scholle“. Dem vorherrschenden Akademiestil und Historismus der damaligen Zeit wird von dem Künstlerbund eine neue, temperamentvolle Malweise entgegengesetzt. Putz entwickelt eine unverwechselbare Handschrift, typisch für seine Werke ist der Bildteppich aus großangelegten Farbflächen in denen stets das Licht und die Natur eine wichtige Rolle spielen. Besonders seine Badebilder mit meist nackten Modellen, die er plein air, also unter freiem Himmel, im Park des Schlosses Hartmannsberg in der Nähe des Chiemsee malt, machen ihn bekannt und werden noch heute hoch geschätzt. Mit breit hingesetzten Pinselstrichen bildet er nicht detailgenau die Wirklichkeit ab, sondern erzeugt eine neue Form, die zwar in der Nahsichtigkeit schwer lesbar ist und wie abstrakt wirkt, aus der Ferne betrachtet aber in beeindruckender Präzision Linien und Flächen zu realen Formen zusammenlaufen lässt. 1929 reist Putz nach Sao Paolo und verbringt die nächsten Jahre bis 1933 mit seiner Familie in Südamerika, wo er ausgedehnte Reisen nach Buenos Aires und nach Bahia in den Urwald unternimmt. Sein Stil bekommt neue Impulse, er malt nun mehr südländische Landschaften, seine Farbpalette erweitert sich um kräftigere und farbenfrohe Töne. Als Zeichen der Wertschätzung wird ihm eine Professur an der Escola Nacionala de Bellas Artes in Rio angetragen, die er annimmt.
Aus dieser Zeit stammt auch das Bild „Caboclos Lieder“: Putz hat auf einem der zahlreichen Kirchenfeste, diesmal im nördlich gelegenen Stadtteil Penha, einen Sänger entdeckt, der sich im Schatten eines Baumes niedergelassen hat und eine Gruppe von Zuhörern mit Liedern, die er auf der Gitarre begleitet, erfreut. Als Caboclos werden Mischlinge aus Indios und Europäern bezeichnet, was auf die Herkunft des Sängers verweist. In Rio, Hauptstadt eines echt katholischen Landes, waren die häufigen Kirchenfeste und Prozessionen beliebte Attraktionen für das Volk, wo neben christlichen Ritualen und Gebeten auch Karusselle, Militärparaden und viel Musik und Gesang zum Festcharakter beitrugen. In satten, bunten Farben schildert der Maler die Zuhörer, die sich teils stehend, teils kauernd um den Sänger versammelt haben. Die Schatten auf den Kleidern changieren in verschiedensten Tönen, die Szene wird oberhalb von der schirmartigen Baumkrone und auf der Erde mit deren kreisförmigem Schatten inselartig zusammengefasst. Putz Stil ist „moderner“ geworden, der abgerundete Horizont, der Kontrast der rötlich-gelben Tönen zu Blau, Grün und Braun und der Einsatz von schwarzen Umrisslinien zeigen deutlich die Auseinandersetzung mit expressiven Werken.
(Ina Waldstein)