Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

24. April 2018, 17:00 Uhr

0812

Rudolf von Alt

(Wien 1812 - 1905 Wien)

„Blick auf das Kolosseum in Rom vom Konstantinsbogen “
um 1872/73
Aquarell, Weißhöhung auf Papier
22,5 x 41,5 cm
Signiert links unten: R. Alt.

Provenienz

Privatbesitz, Deutschland

Literatur

Vgl. Walter Koschatzky, Rudolf von Alt mit einer Sammlung von Werken der Malerfamilie Alt der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG, Wien/Köln/Weimar 2001 (2. Auflage), S. 396, WV-Nr. 99/09;
vgl. Rudolf von Alt 1812-1905. Die schönsten Aquarelle aus den acht Jahrzehnten seines Schaffens. Graphische Sammlung Albertina, 294. Ausstellung, 29.02.-29.03.1984, S. 169, Nr. 267 (SW-Abb.)

€ 20.000

Von Ende November 1872 bis Februar 1873 besuchte Rudolf von Alt Rom das letzte Mal. Er wohnte im Hotel Amerika und schilderte in seinen ausführlichen Briefen an die Familie in Wien seine Arbeit am Forum Romanum, am Monte Pincio und am Kolosseum. Wie immer suchte er sich prominente Sehenswürdigkeiten, die er stets gekonnter zu präsentieren vermochte als die üblichen Vedutenmaler. In seinem Spätwerk aber wird Alt noch experimenteller in Farbauftrag und Komposition. Er hat zuviel gesehen, um immer gleich malen zu können.
So ist ihm bei diesem Aufenthalt im Winter 1873 der Blick auf das Kolosseum allein zu uninteressant. Dieses Mal reizte ihn der Moment des Entdeckens, wenn das geschichtsträchtige Gebäude mit seinem von Leben erfüllten Platz plötzlich in das Gesichtsfeld rückt und es im Sonnenlicht badend mit seinem gewaltigen Mauerwerk und der reizvollen Abfolge von Ein- und Ausblicken der Ruinenfenster seine ganze erhabene Größe präsentiert. Der immer wieder magische Moment des Enthüllens ist also das eigentliche Thema des Blattes und Alt zelebriert ihn mit einem durchaus provokanten kompositorischen Experiment, indem er die rechte Seite des betonten Querformates ganz vom schmucklosen Mauersockel und den wunderbaren Reliefs und Säulen des Konstantinbogens einnehmen lässt. Der Triumphbogen wird zum Vorhang, der zurückgezogen wird, um den ersehnten Blick auf das Denkmal freizumachen. Die Mauer bannt und sperrt den Blick, sie suggeriert Nähe, der flüchtige Pinselstrich aber erzwingt Fernsicht.
Unabhängig von den internationalen Entwicklungen gelangte Rudolf von Alt aus eigener Erkenntnis und Beobachtung zu einer Malerei der Impression, des Augenblicks, wofür vorliegendes Blatt ein wunderbares Beispiel ist. (MHH)