Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

24. April 2018, 17:00 Uhr

0877

Josef Engelhart

(Wien 1864 - 1941 Wien)

„Der Windhund“
1891
Öl auf Leinwand
111 x 130 cm
Signiert und datiert links oben: Engelhart / (18)91
Rückseitig betitelt auf dem Sammleretikett von Konrad und Marie Widter: "Der Windhund"; Exlibris und Wachssiegel von Konrad Widter

Provenienz

Konrad und Marie Widter, geb. Engelhart, Wien;
Wolfgang Widter, Generaldirektor der Bier-Brauerei Schwechat, Wien (1945);
durch Erbfolge in Privatsammlung, Wien

€ 25.000

Seine Schnelligkeit und sein erfolgreiches Jagdverhalten machten den Windhund seit der Antike zu einer der begehrtesten und teuersten Hunderassen. Die Eleganz des fast stromlinienförmigen Körpers mit dem schmalen spitzen Kopf und den treuherzigen Augen prädestinierte den Windhund aber auch zur perfekten Begleitung der mondänen Dame, wie Darstellungen in der Kunst um 1900 mehrfach belegen.

Im Gemälde „Der Windhund“ vollendete Josef Engelhart nicht nur eine der schönsten Darstellungen dieser Rasse, sondern erhöhte deren Reiz noch mit der erotischen Komponente abgelegter Damenkleider am Ufer eines Sees. Dieser Windhund verrät in seiner ganzen angespannten Körperhaltung und dem scharfen, beobachtenden Blick eine erhöhte Wachsamkeit, die allein seiner badenden Herrin gilt. Achtlos und in Vorfreude auf das kühle Wasser hatte sich diese ihrer zarten schwarzen Schuhe, des weißen Unterrocks und des roten Kleides entledigt und den mit fliederfarbenen Blumen geschmückten Strohhut zum dazu passenden Mantel abgelegt. Es bleibt dem Betrachter überlassen, sich die Freude der Badenden vorzustellen und den Reiz ihres nackten Körpers. Der Maler erlaubt uns nur, die schöne Gestalt des Hundes zu betrachten und den Rest des Bildes, der durch die Kleidung angedeutet wird, in unserer Fantasie zu ergänzen. In dieser reinen Andeutung liegt der besondere Reiz des Gemäldes, denn es bezieht den Betrachter in das Geschehen ein, unsere Vorstellung wird zum Teil des Bildes selbst.

Das Gemälde entstand 1891, als sich Engelhart für längere Zeit in Paris aufgehalten hatte, um sich, wie er sagte, „in der Farbe zu vervollkommnen.“ Die Erkenntnisse des französischen Impressionismus, nämlich die Auflösung der Farben in eine Vielzahl von Tönen bei gleichzeitiger Anwendung kurzer schneller Pinselstriche, wusste Engelhart daher früh und noch vor der allgemeinen Rezeption dieser französischen Moderne zu übernehmen und in Wien einzuführen. Die Verknappung des Bildausschnittes sowie der Fokus auf ein Motiv sind weitere Merkmale jenes Stils, der sich dem Augenblick verschrieben hatte.

„Der Windhund“ ist zweifellos als ein Hauptwerk aus der für Engelhart wichtigsten Periode um 1900 anzusehen. Es ist gleichzeitig eine Neuentdeckung, da das Gemälde als Geschenk an die Schwester und ihren Mann immer in der Sammlung der Familie verblieben war. (MHH)