Auktionshaus

Auktion: Antiquitäten

25. April 2018, 14:00 Uhr

0096

wohl Johann Christoph Kießling

(Dresden vor 1790 - 1744 Dresden)

„Deckelpokal mit dem Tabakskollegium“
Dresden oder Glücksburg, um 1720-1730
farbloses Glas, geschliffen, geschnitten; leicht ansteigender Stand mit Landschaftsbordüre; facettierter Balusterschaft mit Kugelnodus und Ringscheiben, eingestochene Luftblasen; Kuppaansatz mit Wabenfacetten; die konische Kuppa umlaufend mit einer dichten Waldlandschaft in Tiefschnitt dekoriert, dargestellt ist das Tabakskollegium, in der Mitte stehen vor dem Pfeife rauchenden König 4 Bauern im Gespräch, gerahmt wird die Szene von sich unterhaltenden adeligen Männern, einer Rauferei und herumstreunenden Waldtieren; gewölbter Deckel mit facettiertem Knauf, mit Bäumen auf Landschaftssockeln dekoriert, dazwischen die Inschrift: „Der Dachs in loche beist der Hund / Soldaten macht der Degen kund“
H. 38 cm

Literatur

vgl. Brigitte Klesse/Hans Mayr, Veredelte Gläser aus Renaissance und Barock. Slg. Ernesto Wolf, Wien 1987, Abb. 143;
vgl. Gisela Haase, Sächsisches Glas, Leipzig 1988, Abb. 131, S. 328

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 20.000
Auktion ist beendet.

Unter Friedrich Wilhelm I. versammelte sich allabendlich eine Männerrunde bestehend aus Militärs, Gesandten, interessanten Durchreisenden und „lustigen Räten“ im Schloss Wustenhausen zum Tabakskollegium. Bei schönem Wetter verlegte man das Ganze ins Freie und diskutierte bei reichlich Tabak- und Alkoholkonsum bis weit nach Mitternacht über Politik, Moral, Erziehung und Religion. Das Hofzeremoniell galt bei diesem Anlass als gänzlich aufgehoben. Politisches und Privates, Staatsfragen von höchster Brisanz, lockere Unterhaltungen und deftige Scherze flossen ineinander.

Wie die Abrollung des Pokals zeigt, dürfte es sich bei dem Wald um das Gelände des Schlosses Wustenhausen handeln in dem das Tabakskollegium stattfand. Die Bauern stehen locker in ein Gespräch mit dem König verwickelt. Bis auf zwei Raufende rauchen alle in entspannter Atmosphäre die langen Tonpfeifen. Auch die Tatsache, dass sich König Friedrich Wilhelm I. um die Verbesserung der Waldwirtschaft bemühte findet sich in der Motivik des Glases mit der Darstellung der Neubepflanzung, geregelter Jagd und Unterschutzstellung gewisser Tierarten – die Wildschweine dürfen z. B. unbescholten die jungen Triebe abknabbern – wieder (lt. freundlicher Auskunft Dr. Barford, Kustos Ostpreußisches Landesmuseum).